| Jennifer Evans |
| 29.10.2026 12:00 Uhr |
Molekülanalyse und alte Schriftquellen geben Aufschluss, welche weiteren Materialien die alten Ägypter zur Einbalsamierung ihrer Verstorbenen nutzten. / © Dr. Claudia Sachße, Deutsches Pharmaziemuseum Heidelberg, ergänzt mit KI
Für die Mumifizierung nutzten die Menschen im alten Ägypten verschiedene pflanzliche, tierische und mineralische Materialien, wie etwa Harze, Öle, Wachse oder Bitumen. Marburger Forschende identifizierten nun durch moderne Naturstoffanalytik in einem rund 2700 Jahre alten mumifizierten Schädel eine weitere Komponente der Einbalsamierungsrezeptur – und zwar Aloe.
Das gelang dem Team neben chemischen Analysen mithilfe einer Probe der Arzneidroge Mumia vera aegyptiaca aus dem 18. Jahrhundert, die ursprünglich aus der Löwen-Apotheke in Offenbach am Main stammt. Heute wird sie im Deutschen Apotheken-Museum in Heidelberg aufbewahrt. Damit könnte eine bereits aus mittelalterlichen Quellen bekannte Verbindung zwischen Aloe und mumienbasierten Arzneimitteln auf deutlich ältere Wurzeln zurückgehen, heißt es in der Mitteilung der Universität.
Die Studie, die in der Fachzeitschrift »Proceedings of the National Academy of Sciences« (PNAS) erschienen ist, untersuchte die Arzneidroge, die Menschen im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit in Europa einsetzten und aus Mumienmaterial und Einbalsamierungssubstanzen gewannen und auch verkauften, außerdem auf andere Inhaltsstoffe. In den meisten der 24 getesteten Objekte fanden die Forschenden Rückstände von Nadelbaumharzen, einige Bestandteile dieser besitzen nachweislich antimikrobielle Eigenschaften.
Um eine mögliche biologische Aktivität zu klären, testete das Forschungsteam einige Präparate im Labor. Ein Extrakt aus der Marburger Wigand’schen Drogensammlung schütze demnach moderat gegen Zellschäden, die durch Influenzaviren verursacht worden waren. Da die Hauptverbindung 7-Oxodehydroabietinsäure allerdings nicht denselben Effekt hatte, ist derzeit noch unklar, welche Inhaltsstoffe genau wirken.
Die Ergebnisse belegten jedoch nicht, dass das historische Heilmittel Grippeviren bekämpfen oder Menschen mit Influenza wirksam behandeln konnte – selbst wenn historische Quellen von dessen Einsatz bei Erkältungssymptomen berichteten, heißt es.
Bereichernd an der Studie war aus Sicht des Autorenteams, dass chemische Befunde neue Anhaltspunkte für die Interpretation alter Texte liefern können. Und umgekehrt historische Beschreibungen dabei helfen, molekulare Analysedaten in ihren ursprünglichen kulturellen und materiellen Kontext einzuordnen.