| Jennifer Evans |
| 14.07.2026 07:00 Uhr |
Akustische Sensibilität: Reissamen nehmen Schall wahr und reagieren darauf – mit Wachstum, wie die Pflanzen der Reisterrassen in Vietnam. / © Shutterstock/ST_Travel
Reissamen reagieren offenbar auf Regen. Denn er erzeugt einen sehr hohen Schalldruck mit Partikelverschiebungen, wenn seine Tropfen auf flache Pfützen oder den Boden treffen. Diese Geräusche liegen meist außerhalb des menschlichen Hörbereichs. Doch sie scheinen Reissamen zum Wachsen anzuregen. Laut einer Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) steigt die Keimrate mit zunehmendem Regen.
Schon frühere Arbeiten deuteten auf ähnliche Effekte hin, wie Dr. Stuart Thompson, Dozent für Pflanzenbiochemie an der University of Westminster, auf der Wissenschaftsplattform »The Conversation« mit Blick auf die Studie schreibt. Manche Pflanzen entscheiden anhand der Tonhöhe eines summenden Insekts, ob sie Pollen freisetzen. Andere erhöhen die Produktion von Giftstoffen, wenn Raupen an Nachbarpflanzen fressen. Auch Töne eines Synthesizers können Keimung und Wachstum fördern. Pak Choi zum Beispiel wächst bei klassischer Musik besser als bei Rock ’n’ Roll.
Die Forschenden um den Physiker Professor Dr. Nicholas Makris vom MIT wollten aber wissen, wie Reis Naturgeräusche wahrnimmt. Dazu simulierten sie Regen, wie man ihn von Reisfeldern kennt. Leichter Regen zeigte kaum Wirkung auf die Pflanzen. Starker Regen förderte jedoch ihre Keimung. Bei heftigen Schauern waren es mehr als 30 Prozent. Auf der Suche nach einem möglichen Sensor fand das Team Hinweise in einer älteren Untersuchung. Dort hatte man festgestellt, dass mutierte Schotenkresse, die keine Stärke bildet, nicht auf Vibrationen reagiert.
Stärke steckt in Statolithen, schweren Einschlüssen in Pflanzenzellen. Sie helfen Pflanzen dabei, Schwerkraft zu erkennen. Je nachdem, wie die Statolithen in einer Zelle sinken, zeigen sie an, wo unten ist. Die Forschenden modellierten, wie Regengeräusche auf sie wirken. Und die Tropfen ließen die Statolithen vom Zellboden abprallen. Je stärker der Regen, desto heftiger sprangen sie. Diese Beobachtung passte zu den Keimungsdaten.
Die vielen kleinen Statolithen verhielten sich laut Studie fast wie eine Flüssigkeit. Schallenergie bringt diese Schicht in Bewegung, was vermutlich chemische Signale auslöst, die an den Rest der Pflanze weitergeleitet werden. Und Pflanzen, die keine Stärke bilden, nehmen diese Vibrationen vermutlich nicht wahr. Daher sieht das Autorenteam Statolithen als möglichen Schlüssel für pflanzliches Hören.