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Mikrobiomforschung
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Alles beginnt im Darm

Das Ökosystem im Darm, bestehend aus mehreren Milliarden Einzellern, nimmt entscheidend Einfluss auf unsere Gesundheit – mit Folgen für Immunsystem, Haut und das Risiko für zahlreiche Erkrankungen. Ob sich das enterale Mikrobiom gezielt verschieben oder therapeutisch nutzen lässt, ist trotz zahlreicher Forschungsanstrengungen allenfalls ansatzweise geklärt.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 13.05.2024  18:00 Uhr

Frühe Intervention

Besonders in den ersten Lebensjahren scheint die enterale Mikrobiota für Störfaktoren sensibel zu sein. Vermutlich entwickeln sich die Enterotypen bezüglich ihrer Diversität bis zum dritten Lebensjahr. Und in dieser Zeit scheint das Zusammenspiel von Immunsystem und Darmbakterien sehr prägend zu sein. Klinische Studien dokumentieren, dass Antibiotika – eine fünftägige Antibiotikaeinnahme dezimiert die Darmflora um 30 Prozent – in den ersten sechs Lebensmonaten mit einem erhöhten Risiko für Allergien, Asthma oder Ekzemen im Kindesalter verbunden ist. Ein ähnlicher Zusammenhang konnte für die Antibiotikaeinnahme im ersten Lebensjahr und der Entwicklung einer entzündlichen Darmerkrankung gezeigt werden, gleiches gilt für Übergewicht und Typ-2-Diabetes.

Die Gabe von Probiotika scheint auch ein vielversprechender Ansatz in der Therapie von Pollenallergikern zu sein. So zeichnete etwa die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) an der Charité das Präparat Pollagen® – ein Nahrungsergänzungsmittel, das Lacto- und Bifidobakterien sowie prebiotische Fructo-Oligosaccharide enthält – mit dem ECARF-Qualitätssiegel für Allergikerfreundlichkeit aus.

»Nach unseren Untersuchungen ist es möglich, durch die perorale Zufuhr lebender Bakterien die Symptomatik bei Gräserpollen-Allergikern zu beeinflussen – und zwar positiver als noch vor ein paar Jahrzehnten gedacht«, sagte Professor Dr. Karl-Christian Bergmann in seiner Funktion als klinischer Studienleiter der ECARF-Stiftung bei der jüngsten Pressekonferenz. Die Symptomlinderung durch eine dreiwöchige Einnahme scheine längerfristig zu sein. Noch Monate später hätten die Studienteilnehmer von der Einnahme des Probiotikums profitiert, sagte der Allergologe.

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