| Laura Rudolph |
| 28.05.2026 14:45 Uhr |
Im Rahmen des »Aktionsbündnis Gesundheit Saarland« ist ein Hausapothekenmodell geplant. / © Getty Images/Catherine Delahaye
Das Saarland kann mit Spitzenzahlen punkten: Nicht nur hat sich der Fußballverein SV Elversberg mit drei Aufstiegen in fünf Jahren von der Regional- bis in die Bundesliga gespielt. Auch Kammerpräsident Manfred Saar blickt mit nunmehr 26 Amtsjahren auf eine außergewöhnlich lange Präsidentschaft zurück. Bei den Wahlen im September wird er jedoch nicht mehr antreten. »Ich werde aber in der Vertreterversammlung weitermachen, so ich gewählt werde«, so Saar.
In seinem Bericht ging er auf die aktuellen Entwicklungen des Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes ein. »Leider sind die Apotheken die Bauernopfer bei der Kürzung der Arzneimittelausgaben«, sagte Saar. Einem moderaten linearen Anstieg des Wertschöpfungsanteils der Apotheken vor Ort – unterhalb der Lebenshaltungskosten – stünden explodierende Gesundheitsausgaben gegenüber.
Kammerpräsident Manfred Saar / © Foto Hirsch
»Wir sagen zu Recht: Die Apotheken haben Ihren Beitrag zur Kostendämpfung bereits seit vielen Jahren, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat bereits geleistet.« Das Honorarplus von 65 Cent pro Arzneimittel – »was auch immer ›sofort‹ heißen mag« – sowie die geplante Erhöhung um weitere 50 Cent im Jahr 2027, abzüglich der weiteren 30 Cent Zwangsrabatt an die GKV, sei »etwas mehr als nichts und allenfalls der Anfang, um zukünftig ein auskömmliches Honorar zu vereinbaren«, betonte der Kammerpräsident. Wie Geschäftsführer Carsten Wohlfeil ausführte, müsse ein fairer Festzuschlag, der die deutlich gestiegenen Parameter Verbraucherpreisindex und Grundlohnsumme berücksichtigt, im Jahr 2026 bereits bei 12,64 Euro liegen.
Die geplante Verhandlungslösung für künftige Honorarerhöhungen kann nach Ansicht Saars Vorteile bringen – auch wenn sie mühsam ist: »Wir sind dann nicht mehr der Bittsteller bei der Politik. Die alljährlichen Verhandlungen mit den Krankenkassen werden nicht einfach sein. Wir können aber in Zukunft auf eine kontinuierliche Honorarerhöhung hoffen. Dieses Signal ist wichtig.«
Die geplante Notvertretung durch PTA werde die Kammer »sehr kritisch begleiten«.
Für Unverständnis sorgt zudem die Streichung der Temperaturkontrolle für Versender aus dem Gesetzentwurf. »Hier ist das BMG vor den Paketdiensten und der EU-Kommission eingeknickt.« Während Arzneimittel aus Vor-Ort-Apotheken weiterhin per Tracker überwacht werden müssen, gilt für Sendungen aus dem Ausland ein anderer Maßstab: »Kommen die Arzneimittel aus dem Ausland, ist die Temperaturüberwachung aber ad libitum des Versenders. Das verstehe wer will. Anscheinend versteht die EU unter Arzneimittelsicherheit was anderes als wir.«
Mit Blick auf die geplante Ausweitung der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) plädierte Saar dafür, bestehende Angebote konsequent zu nutzen und das Impfen in Apotheken auszubauen. »In jedem Fall sollten wir strikt vermeiden, in den Bereich der Diagnose zu gehen. Bei der Interpretation von Bluttests beispielsweise überschreiten wir sehr schnell eine Grenze, die Ärzten vorbehalten ist.«
Ein gutes Verhältnis zu den Ärzten hält die Kammer dabei für entscheidend. »Bundesweit ist Verhältnis zwischen den Heilberufekammern eher schlecht«, sagte Wohlfeil. Im Saarland sei die Zusammenarbeit dagegen traditionell gut. Ein aktuelles Beispiel ist das Modellvorhaben »Aktionsbündnis Gesundheit Saarland«, an dem neben Apothekerkammer und -verband auch folgende Institutionen beteiligt sind:
Das Bündnis wurde vor rund zwei Jahren gegründet und setzt auf eine grundlegende Neuausrichtung des Gesundheitswesens mit einem primärärztlichen und hausapothekenzentrierten Ansatz, bei dem der Patient im Mittelpunkt steht.
»Ich denke, wir werden Meilensteine setzen«, sagte Wohlfeil, der das Projekt bei der Delegiertenversammlung ausführlich vorstellte. »Die Interessen zwischen den verschiedenen Heilberuflern gehen teilweise diametral auseinander. Wir haben uns jetzt aber auf einige Kernpunkte geeinigt.«
Ein zentraler Baustein: Ausgewählte Patienten mit definierten chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Hypercholesterinämie sollen ihre Medikamente unter bestimmten Voraussetzungen in der Apotheke ohne Rezept erhalten. Voraussetzung ist unter anderem eine seit mindestens einem Jahr stabile Medikation sowie ein Arztkontakt mindestens einmal im Jahr. Die Abgabe ist für maximal drei aufeinanderfolgende Quartale in der größten Packungsgröße geplant. Damit geht das »saarländische Hausapothekermodell« über den neuen § 48a AMG hinaus. Die Dokumentation soll in der elektronischen Patientenakte erfolgen.
Weitere Punkte, auf die sich die Mitglieder des Aktionsbündnisses geeinigt haben, sind die Abgabe von Arzneimitteln für bestimmte Indikationen im apothekerlichen Notdienst ohne Rezept zulasten der GKV, außerdem die Abgabe bestimmter Rx-Arzneimittel bei notdienstärztlichen Hausbesuchen. Wie dabei im Detail mit Securpharm umzugehen ist, müsse noch geklärt werden, so Wohlfeil.
Das Konzept ist noch kein geltendes Recht und befindet sich aktuell in der Abstimmung mit der Landespolitik. Wohlfeil kündigte an, sich am heutigen Donnerstag mit dem saarländischen Gesundheitsminister Magnus Jung (SPD) zu treffen, um ihm zunächst das Konzept der Chronikerversorgung in der Apotheke vorzustellen. »Wir müssen schauen, ob es bundesweit umgesetzt werden kann.«