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»Rechtliche Drohgebärde«

Ärzte stoppen Apotheker-Impfschulung in Österreich

Impfen in Apotheken – ja oder nein? Diese Frage ist nicht nur in Deutschland ungeklärt, auch der Blick auf die EU-Landkarte zeigt hier einen bunten Flickenteppich. In Österreich, wo Apotheker wie in Deutschland bislang nicht grundsätzlich impfen dürfen, ufert der Streit zwischen Apothekern und Ärzten aus, nachdem Ärzte vor Kurzem eine laufende Covid-19-Impffortbildung für Apotheker abgebrochen haben. 
Cornelia Dölger
27.04.2021  16:30 Uhr

Drei Tage sollten die Schulungen der Apotheker in Oberösterreich dauern, Veranstalter war das Rote Kreuz Oberösterreich, ein Fortbildungspartner der österreichischen Apothekerkammer. Thema der Veranstaltung war die Impfung gegen das Coronavirus. Zum Abschluss kamen die Schulungen aber nicht, weil Einspruch erhoben wurde, und zwar von ärztlicher Seite. Wie mehrere Medien in Österreich melden, habe der Präsident der Ärztekammer Oberösterreich, der Pathologe Peter Niedermoser, dem Roten Kreuz dargelegt, »dass es rechtlich nicht erlaubt ist«. Impfen sei eine ärztliche Aufgabe und falle unter das sogenannte Ausbildungsvorbehaltsgesetz, soll Niedermoser etwa laut dem Nachrichtenmagazin »profil« argumentiert haben. Das Rote Kreuz stoppte daraufhin die Fortbildung.

Nun liegen die Karten offen auf dem Tisch, denn deutlicher hätte die Ärztekammer wohl nicht artikulieren können, dass sie impfende Apotheker nicht akzeptieren will. So kommt es jedenfalls bei den österreichischen Apothekern an. Die Ärztekammer wolle schlicht und einfach verhindern, dass Impfen Nicht-Ärzten beigebracht werden solle, erklärte die österreichische Apothekerkammer gegenüber der PZ. Hierbei ein Gesetz ins Spiel zu bringen, sei nichts als eine »rechtliche Drohgebärde«, die die Apotheker aber nicht davon abhalten werde, sich auch weiterhin im Impfen schulen zu lassen, notfalls im »benachbarten Ausland oder mit ausländischen Partnern in Österreich«, sagte ein Kammersprecher. Gerade in Pandemiezeiten standespolitisch zu argumentieren und damit das zusätzliche Impfangebot durch die Apotheker »bekämpfen« zu wollen, sei »für große Teile der Bevölkerung kaum nachzuvollziehen«, hieß es.

Viel Zuspruch in der Bevölkerung

Tatsächlich kann sich die Apothekerkammer hierbei wohl auf einen starken Rückhalt in der Bevölkerung der Alpenrepublik stützen. Am gestrigen Montag präsentierte sie eine Marktforschungsstudie, nach der sich fast 60 Prozent der 2000 befragten Österreicher wünschen, dass speziell ausgebildete Apothekerinnen und Apotheker impfen dürfen. Wer diese Umfrage durchführte und in wessen Auftrag, führt die Kammer allerdings nicht näher aus und erklärte nur, dass die Erhebung anlässlich der derzeit laufenden Europäischen Impfwoche erstellt wurde. Ebenfalls fast 60 Prozent würden sich demnach auch selbst in der Apotheke vor Ort impfen lassen, heißt es. Viele Befragte würden zudem viel lieber in Offizinen einen Impftermin bekommen als in einem als unpersönlich empfundenen Impfzentrum.

Beflügelt von so viel Rückenwind, nahm die Apothekerkammer die Umfrage als Anlass, sich als zusätzlicher Impfanbieter ins Spiel zu bringen. »Wir wollen den Menschen ein Angebot unterbreiten«, zitiert die Kammer Präsidiumsmitglied Gerhard Kobinger in einer Pressemitteilung. Die Studienergebnisse seien zu werten als »Aufforderung der Bevölkerung an Apothekerinnen und Apotheker, sich fachlich fortzubilden, damit sie etwa bei Corona-Schutzimpfungen oder Auffrischungsimpfungen von FSME oder Influenza ihren Beitrag leisten können«, hieß es. Je vielfältiger das Impfangebot sei, desto höher die Durchimpfungsraten in der Bevölkerung. Das zeigten zahlreiche europäische Länder, »in denen das Impfen in den Apotheken bereits gelebte Praxis ist«, so Kobinger.

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