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Covid-19-Impfungen

Ärzte kritisieren verzögerten Impfstart in Praxen

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern peilen den Start von Corona-Impfungen in den Arztpraxen bis spätestens Mitte April an. Ärzteverbände kritisieren die Verzögerung der Impfungen in den Praxen. Dass vor allem die Impfzentren weiter mit Impfstoffen versorgt werden sollen, würde das Impftempo nicht beschleunigen, heißt es.
dpa
PZ
11.03.2021  12:36 Uhr

Ziel sei frühestmöglich, jedoch spätestens in der Woche vom 19. April damit zu starten, beschlossen die Minister nach Beratungen am Mittwoch. Dafür brauche es aber auch eine gewisse wöchentliche Mindestmenge an Impfstoff, hieß es im Bundesgesundheitsministerium. Ursprünglich sollten die Hausarztpraxen flächendeckend bereits ab Anfang April mit dem Impfen starten. Um dem Wunsch der Länder entsprechen zu können, ihre Impfzentren wie bisher auszulasten, könnten die Praxen aber wohl erst Mitte April starten. Einzelne Länder können demnach bis zum 19. März auch ein «Opt-out» erklären und im April noch nicht routinemäßig in den Arztpraxen impfen. Zudem soll eine neue Impfverordnung mehr Tempo in die Impf-Kampagne bringen. Der bisher Jüngeren vorbehaltene Impfstoff des Herstellers Astra-Zeneca kann künftig allen gespritzt werden. An den Grenzen zu Corona-Hotspots im Ausland können abweichend von der Impfreihenfolge alle Menschen geimpft werden.

Die Empfehlung der Fachminister soll nun Basis für Entscheidungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder sein, wie Regierungssprecher Steffen Seibert angekündigt hatte. Dies solle «zeitnah» noch vor der nächsten Bund-Länder-Runde zum weiteren Corona-Vorgehen am 22. März geschehen.

Der Vorsitzende der Länder-Gesundheitsmister, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte, künftig stehe die Impfstrategie auf zwei Säulen. «Wir binden ab April die Hausärzte ein, und wir halten an der bewährten Struktur der Impfzentren fest, die die Bundesländer in den vergangenen Monaten aufgebaut haben.» In der Anfangsphase im April werde noch nicht genügend Impfstoff zur Verfügung stehen, damit Ärzte im ganzen Land voll durchstarten könnten. «Aber wenn die Lieferungen so kommen, wie der Bund sie uns in Aussicht gestellt hat, dann können wir die Impfungen bei den Ärzten schnell hochfahren.» Dem Beschluss zufolge sollen die Impfzentren im April pro Woche mit 2,25 Millionen Dosen beliefert werden. Darüber hinaus verfügbare Impfstoffe sollen demnach «frühestmöglich» an Praxen gehen.

Die Impfstoff-Belieferung der Praxen soll wie üblich über die Apotheken erfolgen, heißt es in einem Beschluss von Bund und Ländern. Diese werden über den Großhandel beliefert. Der pharmazeutische Großhandel wiederum »erhält seine Lieferungen direkt aus dem Zentrallager des Bundes oder vom Hersteller«. Die Kosten, die dabei entstehen, sollen durch Festzuschläge gedeckt werden, für die der Bund aufkommt. Über ein entsprechendes Vertriebskonzept der Apotheker und des Großhandels hatte die PZ bereits berichtet. Zudem soll über den gesamten Distributionsweg die »notwendige Transparenz und Nachvollziehbarkeit« sichergestellt werden. Je Arztpraxis werde es zudem zunächst eine Obergrenze für die Bestellmenge der Impfstoffe geben, heißt es in dem Papier.

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