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AVWL-Mitgliederversammlung

ABDA soll »aktiver schweigen«

Wer sich nur einmal im Jahr trifft, hat viel zu besprechen. So geschehen bei der Mitgliederversammlung des Apothekerverbands Westfalen-Lippe (AVWL) am vergangenen Samstag in Münster. Das seit Langem geforderte Rx-Versandverbot geriet dabei zum heftig diskutierten Thema. Vor allem der standespolitische Umgang damit stand in der Kritik.
Cornelia Dölger
12.11.2018
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»Mit der regelrechten Geheimhaltungspolitik der ABDA tun wir uns schwer«, sagte etwa ein Apotheker aus Hamm bei der Versammlung in der AVWL-Geschäftsstelle am Willy-Brandt-Weg. Warum nicht öffentlich etwa über Auswege aus der festgefahrenen politischen Situation hinsichtlich des Rx-Versandverbots diskutiert werde, wollte das Verbandsmitglied wissen. Schließlich stünden mögliche Alternativen jetzt – mehr als zwei Jahre nach dem folgenschweren Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) – nunmal im Raum, auch wenn die Apotheker noch an einem Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln festhielten.

»Jede öffentliche Diskussion birgt die Gefahr, dass das Ganze zerredet und ins Gegenteil gekehrt wird«, entgegnete der AVWL-Vorstandsvorsitzende Klaus Michels, der zuvor in seinem Bericht ausführlich auf das Bestreben der Apotheker eingegangen war, die Gleichpreisigkeit von Arzneimitteln wiederherzustellen. Diese war mit dem Luxemburger Richterspruch vom Oktober 2016 gekippt worden, denn in seinem Urteil hatte der EuGH die in Deutschland geltende Arzneimittelpreisbindung für Versandapotheken aus dem Ausland aufgehoben. Es sei klar, dass hier dringender Handlungsbedarf bestehe, sagte Michels. »Untätigkeit können wir uns nicht erlauben.«

Eben die warfen einige Apotheker der Standesvertretung aber vor – zumindest erwecke die Tatsache, dass die ABDA nichts über die derzeitigen politischen Verhandlungen in puncto Gleichpreisigkeit, Honorierung oder zusätzliche Dienstleistungen der Apotheker verlauten lasse, einen solchen Eindruck, hieß es im voll besetzten Saal des AVWL-Hauses.

Michels verteidigte die Grundsatzhaltung der ABDA und unterstrich zudem: »Wir Apotheker aus Westfalen-Lippe schalten uns vehement in die Diskussion ein, aber eben intern, weil jede Diskussion in der Öffentlichkeit nur schaden kann.« Das gelte für das Rx-Versandverbot wie etwa auch für den Umgang mit dem umstrittenen 2hm-Honorargutachten. An beidem werde intensiv gearbeitet. Zu Letzterem betonte er: »Gehen Sie alle bitte davon aus, dass wir auf die Diskussion dieses qualitativ mehr als dünnen Papiers gut vorbereitet sind.«

Eine ausführliche öffentliche Diskussion darüber lasse nach den Ankündigungen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beim Apothekertag in München Mitte Oktober sicher nicht mehr lange auf sich warten, sagte Michels. Voreilige öffentliche Diskussionen würden den falschen Thesen nur mehr Bedeutung einräumen.

Ein Mitglied sagte, er könne dieses Schweigen nach außen aus taktischen Gründen zwar durchaus nachvollziehen. »Doch unser Berufsstand hätte nach innen hin mehr Information verdient.« Ohne mehr interne Aufklärung und Offenheit könne die ABDA von den Apothekern keine Rückendeckung erwarten. Unter Applaus schlug der Redner vor: »Die ABDA sollte uns Apothekern gegenüber aktiver schweigen.«

Wichtige Rolle der Digitalisierung

In seiner Rede sprach Michels eine Reihe weiterer Themen an, die die Apotheker in Westfalen-Lippe wie auch bundesweit umtreiben. Bei der Digitalisierung etwa unterstrich er: »Wir werden deren Entwicklung definitiv nicht aufhalten« – im Gegenteil: Die Apotheker arbeiteten aktiv an der Gestaltung und dem Ausbau neuer digitaler Möglichkeiten mit, denn »allein das E-Rezept wird unsere Abläufe revolutionieren«. Auch beim Ausbau der Telematik-Infrastruktur sei man »gemeinsam mit den Ärzten auf einem guten Weg«.

Positiv hob Michels zudem hervor, dass der Erhalt der Apotheke vor Ort von sämtlichen Parteien ausdrücklich gewünscht werde. Dass hierfür »grundverschiedene Maßnahmen« vorgeschlagen worden seien, sei kein Anlass für Irritationen, so Michels. Akzeptabel seien allerdings nur Vorschläge, die das Problem dauerhaft lösen könnten, betonte er und spielte damit auf ein Bonmot von Alfred Herrhausen an, das er an den Beginn seines Berichts gestellt hatte: »Die meiste Zeit geht dadurch verloren, dass man nicht zu Ende denkt«, hatte der frühere Deutsche-Bank-Chef einst sinniert. Michels sagte, die Apotheker seien in all ihrem Tun gut beraten, wenn sie Herrhausens Ratschlag folgten.

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