Die Größe der betroffenen Region, die an Uganda und den Südsudan grenzt, und das Ausmaß der Epidemie eine Woche nach der offiziellen Bekanntgabe durch die Gesundheitsbehörden stellen eine enorme logistische Herausforderung dar. Dabei kann nicht unbedingt auf vorhandene Strukturen gesetzt werden. Der Kongo ist ein riesiges Land, fast siebenmal so groß wie Deutschland, und viele Gebiete sind wenig entwickelt und von großer Armut geprägt.
»Man muss alles selbst organisieren, auch den Diesel für die Generatoren», so Gertler. »Dafür haben wir Notfalllager in verschiedenen Orten der Region, in Kinshasa, in Kisangani und anderen Orten.« »Gegenwärtig ist Ärzte ohne Grenzen zum Beispiel dabei, tonnenweise Schutzausrüstung und logistisches Material wie Generatoren, Kühlgeräte und natürlich zusätzliches Personal in die Region zu bringen, um zusätzliche Zentren aufzubauen», erläutert der Berliner Mediziner. Teams seien unterwegs in größeren Städten wie Bunia, Butembo oder Goma, um Orte für die Errichtung solcher Zentren zu identifizieren.
Derzeit mobilisiert Ärzte ohne Grenzen zudem Logistik aus der Hauptstadt Kinshasa, aus dem Nachbarland Uganda und auch aus Europa. Die Organisation verfügt über vorbereitete Ebola-Kits. Die kann man sich vorstellen wie Container mit vorbereiteter Packliste, die in Lagerhäusern von Ärzte ohne Grenzen deponiert sind – zum Beispiel in Kinshasa, aber auch in Bordeaux und Brüssel, und die direkt ins Gebiet geflogen werden können. Darin sind Schutzausrüstung, Betten, Zelte, Matten, Infusionen, aber auch logistisches Material wie Generatoren, Computer und dergleichen mehr, um vor Ort die Arbeit direkt aufnehmen zu können.
Dabei sind mancherorts die bestehenden Kapazitätsgrenzen bereits erreicht. »Im Moment hören wir von vielen unserer Teams und anderen Gesundheitseinrichtungen, dass sich bei ihnen ununterbrochen Verdachtsfälle vorstellen, für die keine Isolierkapazitäten vorhanden sind», sagt Gertler, der in ständigem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen vor Ort steht. »Dann steht für diese Patienten unter Umständen keine Behandlung zur Verfügung.
Außerdem besteht natürlich die Möglichkeit, dass diese Infizierten weitere Infektionen auslösen.« Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist angesichts des schnellen Anstiegs der Verdachtsfälle besorgt. »Der Ausbruch breitet sich rasant in Gebieten aus, deren Gesundheitssysteme ohnehin schon schwach sind und in denen häufig Grenzübertritte stattfinden«, so Ariel Kestens von der IKRK-Delegation in Kinshasa. »Jetzt ist schnelles Handeln und die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden von höchster Priorität, denn die kommenden Tage sind entscheidend.«