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Risiko Luftverschmutzung

600.000 Lebensjahre weniger

Um die Bevölkerung vor nachhaltigen Gesundheitsschäden durch schmutzige Luft zu schützen, fordern Mediziner in Deutschland eine »Kultur der Schadstoffvermeidung«. Nur wenn die Gesellschaft grundsätzlich umdenke, könnten die Risiken für umweltbedingte Erkrankungen gesenkt werden. Nötige Anreize müsse die Politik liefern.
Cornelia Dölger
27.11.2018
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Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist Luftverschmutzung der wichtigste umweltbedingte Risikofaktor für Erkrankungen. Studien zeigten, dass Feinstaub, Stickoxide und andere Schmutzpartikel nicht nur der Lunge schaden – auch für Herzinfarkt und Schlaganfall, Diabetes Typ 2 und Schwangerschaftsdiabetes oder Demenz haben Wissenschaftler demnach einen Zusammenhang mit Luftschadstoffen entdeckt, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). In einem Positionspapier hat die DGP den wissenschaftlichen Kenntnisstand sowie Forderungen für den Weg zu gesünderer Luft jetzt zusammengefasst.

Im Prinzip sei jeder einzelne Bürger in Deutschland betroffen, so Professor Holger Schulz vom Helmholtz-Zentrum für Gesundheit und Umwelt in München. Besonders litten zwar Ältere, Chroniker und kleine Kinder, doch letztlich könne sich niemand dem »enormen Gesundheitsproblem« entziehen, betont der Epidemiologe – mit der Konsequenz, dass die Bevölkerung in Deutschland durch die umweltbedingten Erkrankungen jährlich insgesamt 600.000 Lebensjahre verliere, rechnet Schultz hoch.

»Das Umdenken und die Eigenverantwortung für den Weg zur sauberen Luft muss letztlich von allen Bürgern akzeptiert und gelebt werden«, heißt es in der Mitteilung. Voraussetzung für die geforderte »Kultur der Schadstoffvermeidung« sei, dass die Politik entsprechende Anreize und Regeln schaffe. So müssten Alternativen zum Auto als Fortbewegungsmittel gefördert werden, etwa Fahrradverkehr, Elektromobilität oder Car-Sharing. Auch vor Fahrverboten dürfe niemand zurückschrecken. Zudem müssten emissionsarme Technologien für Industrie, Energieproduktion und Landwirtschaft entwickelt werden.

»Wir als Bürgerinnen und Bürger müssen die Nachfrage und den Bedarf an modernen Technologien klar signalisieren und so den Gesamtprozess positiv beeinflussen«, unterstreicht Schulz. Dabei müsse auch jeder Einzelne sein Mobilitätsverhalten hinterfragen und auf weniger Schadstoffbelastung hinarbeiten, vor allem in Ballungsräumen, fordert er. Etwa sollten Radfahrer bevorzugt Wege mit möglichst niedriger Schadstoffbelastung benutzen.

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