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Mäßiger Alkoholkonsum verkürzt Lebenszeit: Limits senken

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Schon ein Glas am Tag kann zu viel sein: Wer pro Woche mehr als 100 g Alkohol (etwa acht 0,3-Gläser Bier) zu sich nimmt, erleidet häufiger Herz-Kreislauf-Komplikationen und lebt kürzer. Zu diesem Schluss kommt ein Team internationaler Wissenschaftler nach Auswertung umfangreicher Studiendaten. Ihre Ergebnisse stellen sie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift «The Lancet» vor. «Die von den meisten internationalen Leitlinien empfohlenen Alkoholgrenzwerte sind deutlich zu hoch», sagen  Dr. Angela Wood von der Universität Cambridge und Kollegen. Sie empfehlen, diese nach unten zu korrigieren.

Einen vollkommen risikofreien Alkoholkonsum gibt es nicht. Bis zu welcher Trinkmenge von einem geringen Gesundheitsrisiko ausgegangen werden kann, ist international nicht einheitlich definiert: Während beispielsweise in den USA für Männer 196 g und für Frauen 98 g Alkohol pro Woche als unbedenklich gelten, liegen die Grenzwerte in Italien, Portugal und Spanien deutlich höher. Die deutsche Leitlinie definiert den «risikoarmen Konsum» als tägliche Trinkmenge von bis zu 24 g für Männer (dies entspricht zum Beispiel zwei Gläsern Bier à 300 ml) und bis zu 12 g für Frauen. Auf die gesamte Woche umgerechnet ergeben sich dem entsprechend in Deutschland Grenzwerte von 168 g beziehungsweise 84 g.

Um den Einfluss des Trinkverhaltens auf das Sterberisiko und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu beleuchten, haben die Wissenschaftler nun 83 prospektive Langzeitstudien aus 19 einkommensstarken Ländern ausgewertet. In die Analyse gingen die Daten von rund 600.000 kardiovaskulär nicht vorbelasteten Alkoholkonsumenten beziehungsweise 5,4 Millionen Personenjahren ein.

Das Ergebnis: Das geringste Mortalitätsrisiko hatten Personen, die maximal 100 g Reinalkohol pro Woche zu sich nahmen. Das entspricht etwa acht Gläsern Bier à 300 ml oder elf Gläsern Wein à 100 ml. Mit steigender Trinkmenge sank die Lebenserwartung im Alter von 40 Jahren: Bei einem wöchentlichen Alkoholkonsum von bis zu 200 g um etwa sechs Monate, bei bis zu 350g um ein bis zwei Jahre und bei mehr als 350 g um vier bis fünf Jahre. Zudem stieg mit zunehmendem Konsum das Risiko für Schlaganfall, koronare Herzkrankheit, Herzschwäche, lebensbedrohlichen Bluthochdruck sowie für ein tödlich verlaufendes Aortenaneurysma. Lediglich das Herzinfarktrisiko nahm ab. (jl)

 

Wood AM et al. Lancet 2018; 391:1513-1523
S3-Leitlinie «Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen»; AWMF-Register Nr. 076-001

 

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13.04.2018 l PZ

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