Pharmazeutische Zeitung online

RKI-Präsident: Masern-Impfpflicht wäre kontraproduktiv

Die derzeit wieder einmal diskutierte Einführung einer Verpflichtung zur Impfung gegen die Masern würde aus Sicht von Professor Dr. Lothar H. Wieler das Problem der ständig neu aufflammenden Masern-Epidemien in Deutschland nicht lösen. In einem Gastbeitrag in der «Ärzte Zeitung» nennt der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) hierfür mehrere Gründe. Zum einen hätten zuletzt vor allem die großen Impflücken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen Masern-Ausbrüche ausgelöst. Diese Altersgruppe werde aber bei Forderungen nach einer Impfpflicht nie erwähnt. Sie ist aus Wielers Sicht auch weniger durch Zwang zu erreichen als vielmehr durch Informationskampagnen und aufsuchende Impfangebote.

 

Allgemeine Impfskepsis sieht der RKI-Präsident dagegen nicht als Haupthindernis bei der Verbesserung der Masern-Impfquote, «sonst gäbe es bei Schulanfängern keine Impfquote von fast 97 Prozent für die erste Masernimpfung». Vor diesem Hintergrund könnte die Einführung einer Impfpflicht den Eindruck erwecken, dass die Sachargumente für die Impfung doch nicht so gut sind, befürchtet Wieler. Zudem habe eine Untersuchung ergeben, dass die Verpflichtung zu einer bestimmten Impfung die Bereitschaft für die verbliebenen freiwilligen Impfungen deutlich verringert.

 

Für essenziell hält Wieler dagegen eine ausreichende personelle und finanzielle Ausstattung der Gesundheitsämter. Auch müssten Abrechnungshindernisse abgebaut werden, damit jeder Arztkontakt zum Schließen von Impflücken genutzt werden könne. Auf diese Weise sei eine Verbesserung der Masern-Impfquote besser zu erreichen als mithilfe einer Impfpflicht. (am)

 

Lesen Sie dazu auch den aktuellen PZ-Titelbeitrag Masern: Kein Ende in Sicht

 

Mehr zum Thema Impfung

 

26.09.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Danilo Rizzuti