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Säureblocker: PPI nur so lang wie nötig einnehmen

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Eine dauerhafte Einnahme von Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) wie Omeprazol oder Pantoprazol könnte das Risiko für einen frühzeitigen Tod erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Daten von rund 350.000 US-Veteranen, die jetzt im «British Medical Journal» veröffentlicht wurde. Die Studienautoren warnen vor einer unkritischen langfristigen Einnahme, betonen jedoch den Nutzen der Medikamente bei klarer Indikationsstellung.

Die Wissenschaftler um Seniorautor Dr. Ziyad Al-Aly verglichen die medizinischen Berichte von rund 276.000 PPI-Nutzern mit denen von rund 73.000 Patienten, die zur Reduktion der Magensäure einen H2-Blocker erhielten. Die Medikamente wurden zwischen Oktober 2006 und September 2008 verordnet, anschließend verfolgten die Wissenschaftler die Krankengeschichte über fünf Jahre oder, falls dieser früher eintrat, bis zum Tod des Patienten. Die Todesursachen lagen den Forschern von der Washington University School of Medicine in St. Louis nicht vor.

In den ersten drei Einnahmemonaten zeigten sich keine Unterschiede. Nach drei- bis sechsmonatiger Einnahme starben 17 Prozent mehr Patienten in der PPI-Gruppe als unter H2-Blocker-Therapie. Bei sechs- bis zwölfmonatiger Einnahme lag das Risiko für einen frühzeitigen Tod bei 31 Prozent und nach einem Jahr bei 51 Prozent. Komorbiditäten und Alter wurden bei der Analyse berücksichtigt und herausgerechnet.

«Egal, wie wir die Daten auseinander genommen haben, kamen wir immer zu dem Ergebnis, dass es ein erhöhtes Sterberisiko für PPI-Anwender gab», kommentiert Al-Aly in einer Pressemitteilung seiner Universität. «Die Menschen denken, dass PPI sicher sind, weil sie auch ohne Rezept verfügbar sind. Doch sie bergen echte Risiken, vor allem über einen längeren Zeitraum.» Der Analyse zufolge kommt es pro 500 PPI-Anwendern, die die Säureblocker über ein Jahr einnehmen, zu einem zusätzlichen Todesfall. Zwar lässt sich aus der Beobachtungsstudie keine Aussage zu Ursache und Wirkung ableiten. Dass das Sterberisiko mit der Einnahmedauer anstieg, deutet jedoch auf einen Zusammenhang hin. Unklar ist auch, was für ein Mechanismus dahinter stecken könnte. Die Forscher vermuten einen Einfluss auf oxidativen Stress.

Mit medizinisch plausiblem Grund eingesetzt, retten PPI Leben, betont Al-Aly, beispielsweise bei Geschwüren im Magen-Darm-Trakt oder Helicobacter-pylori-Infektionen. Oft ist der Einsatz hier jedoch auf einige Wochen begrenzt. «Häufig werden PPI aus gutem Grund eingesetzt, aber dann stoppen die Ärzte die Einnahme nicht und die Patienten bekommen Folgerezept nach Folgerezept», kritisiert der Nephrologe. Es müsse jedoch regelmäßig überprüft werden, ob der Patient den Säureblocker wirklich noch braucht. Die Patienten sollten sich an den Rat ihres Arztes halten.

Al-Aly warnte vor dem langfristigen Gebrauch von PPI in der Selbstmedikation zur Behandlung von Sodbrennen und Reflux. Ohne echten Grund für die Einnahme oder wenn andere Maßnahmen in Frage kommen, überwiege das Risiko den Nutzen der Protonenpumpen-Blocker, so Al-Aly. In der Selbstmedikation sollen PPI nicht länger als zwei Wochen zum Einsatz kommen.

In den vergangenen Jahren sind immer wieder Studien veröffentlicht worden, die eine PPI-Einnahme mit erhöhten Risiken für andere Erkrankungen wie Knochenbrüche, Infektionen, Niereninsuffizienz und Demenz in Verbindung gebracht hatten. Nichtsdestotrotz raten Gastroenterologen weiterhin in medizinisch begründeten Fällen zum Einsatz dieser Medikamente, wenn nötig auch langfristig, zum Beispiel bei älteren Patienten mit einer NSAR-Dauertherapie.

DOI: 10.1136/bmjopen-2016-015735 

 

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04.07.2017 l PZ

Foto: Fotolia/David H. Seymour