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Herzinsuffizienz: Regelmäßig auf die Waage

 

Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz brauchen eine umfassende medikamentöse Therapie und sollten ihren Lebensstil anpassen. Sie sollten ihre tägliche Trinkmenge auf 1,5 bis 2 Liter und die Kochsalzzufuhr auf maximal 4 bis 5 g pro Tag begrenzen und sich regelmäßig wiegen. Eine Gewichtszunahme von 2 kg in drei Tagen sei ein Warnzeichen, sagte Professor Dr. Lutz Hein (Foto) von der Universität Freiburg beim Pharmacon in Meran. Eine so rasche Zunahme beruhe auf Wassereinlagerungen, etwa infolge einer Verschlechterung der Herzinsuffizienz oder von Noncompliance.

 

Der Pharmakologe empfahl regelmäßiges aerobes Training und angepasste Bewegung, um das Wachstum von Herzmuskelzellen anzuregen. «Das Sportlerherz ist größer als das Sofaherz.» Dieser Effekt lasse sich nur durch Bewegung, aber nicht medikamentös erzielen.

 

Die moderne Pharmakotherapie habe die Prognose der Patienten deutlich verbessert, doch eine Heilung sei nicht möglich, betonte Hein. Die ESC-Leitlinie von 2016 gilt für die Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion (HFrEF). Bei dieser Form ist die Auswurfmenge des Herzens reduziert; die Betroffenen leiden unter Atemnot, schwerer Erschöpfung und Ödemen in den Beinen. «Dagegen gibt es für die Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion bislang keine Medikation», betonte Hein.

 

In der Therapie stehen Diuretika zur Ausschwemmung von Ödemen an erster Stelle. ACE-Hemmer und Betablocker sollen die Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems und des Sympathikus blockieren. Reagiert der Patient mit Reizhusten auf ACE-Hemmer, kann der Arzt ihn auf ein Sartan umstellen. ACE-Hemmer und Sartan werden aber nicht kombiniert, da die Gefahr einer Hyperkaliämie steigt. Antifibrotisch und mortalitätssenkend wirken Mineralocorticoidrezeptor-Antagonisten. Ein neues Therapieprinzip ist ARNI: Die Angiotensin-Rezeptor- und Neprilysin-Inhibition mit Sacubitril/Valsartan wurde Ende 2015 zugelassen. Sie reduziert das Risiko für kardiovaskulären Tod oder Krankenhauseinweisungen bei Herzinsuffizienz-Patienten deutlich. (bmg)

 

DOI: 10.1093/eurheartj/ehw128

  

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Wirkstoffprofil Sacubitril/Valsartan|Entresto®|53|2016 in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe

 

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22.05.2017 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller