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Migräne: Rizatriptan bei Jugendlichen im Test

 

Neurologen hoffen, dass ihnen mit Rizatriptan (Maxalt) bald eine neue Therapiemöglichkeit für Kinder und Jugendliche mit Migräne zur Verfügung steht. In den USA ist das Triptan bereits für junge Migränepatienten zugelassen. In der Europäischen Union läuft laut Deutscher Gesellschaft für Neurologie (DGN) derzeit das Zulassungsverfahren. Grundlage sind die Daten einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 977 Migräne-Patienten zwischen sechs und 17 Jahren, die jetzt im Fachjournal «Cephalalgia» veröffentlicht wurde. Die Probanden konnten mit nicht steroidalen Antirheumatika und Paracetamol nur unzureichend behandelt werden. Gesponsert und durchgeführt wurde die Studie vom Rizatriptan-Patentinhaber MSD (Merck & Co).

 

Kinder mit weniger als 40 Kilogramm Körpergewicht erhielten 5 Milligramm Rizatriptan oder Placebo innerhalb einer halben Stunde nach Beginn einer Migräneattacke, schwerere Kinder erhielten 10 Milligramm. Primärer Endpunkt der Studie war Schmerzfreiheit zwei Stunden nach der Einnahme. In der Gruppe der 12- bis 17-Jährigen war hier ein signifikanter Unterschied zwischen Triptan (30,6 Prozent) und Placebo (22,0 Prozent) zu finden. Nach 24 Stunden waren mehr Jugendlich wieder «alltagstauglich». Übelkeit und Erbrechen traten seltener als unter Placebo auf. Bei Lichtscheu und Geräuschempfindlichkeit zeigte sich kein Unterschied. Das Nebenwirkungsspektrum entsprach dem der Placebogruppe. Zwar schnitt Rizatriptan auch bei jüngeren Kindern besser als Placebo ab, jedoch war das Ergebnis nicht statistisch signifikant.

 

«Etwa 8 Prozent aller Kinder und Jugendlichen erleiden gelegentlich Migräneattacken, und längst nicht allen kann mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen und Paracetamol geholfen werden», sagt Professor Dr. Florian Heinen von der Deutschen Gesellschaft für Neuropädiatrie laut Pressemitteilung der DGN. «Unter den besonders wirksamen Präparaten aus der Klasse der Triptane ist in Europa lediglich Sumatriptan-Nasenspray für 12- bis 17-Jährige zugelassen.» Heinen begrüßte daher die positiven Studienergebnisse und hofft auf eine baldige Zulassung von Rizatriptan in der Pädiatrie in Europa. (db)

 

doi: 10.1177/0333102412451358

 

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10.09.2012 l PZ

Foto: Fotolia/Filippou