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Grippeimpfung im Norden verzögert sich weiter

Die Kassenärzte in Schleswig-Holstein schlagen Alarm, weil sich die Auslieferung des bestellten Grippeimpfstoffs Begripal® weiter verzögert. «Es steht immer noch kein Mittel zur Verfügung, mit dem die niedergelassenen Ärzte gesetzlich Krankenversicherte gegen Grippe impfen können», teilte die Kassenärztliche Vereinigung (KVSH) am Dienstag mit. Medizinisch gesehen gibt es zahlreiche Alternativen. Die Ärzte müssen dann jedoch Regresse fürchten oder die Patienten müssen den Impfstoff selbst zahlen. Ein weiteres Abwarten sei aus medizinischer Sicht nicht hinnehmbar, sagte die Landesvorsitzende Monika Schliffke. Ältere und chronisch Kranke müssten jetzt geimpft werden, um sie vor den anstehenden Grippewellen zu schützen.

 

Hersteller Novartis Vaccines habe laut AOK zugesichert, Impfstoffe vom 24. September an zu liefern, also seit diesem Montag. Nach Angaben der AOK Nordwest sollen die Grippeimpfstoffe noch in dieser Woche ausgeliefert werden. Das habe Novartis den Kassen schriftlich zugesichert. An dem vor zwei Wochen vereinbarten Terminplan habe sich nichts geändert, teilte ein AOK-Sprecher mit. Er warf der Kassenärztlichen Vereinigung vor, sie verunsichere Ärzte und Patienten gleichermaßen. Aus medizinischen Gründen sei es für eine Grippeschutzimpfung noch nicht zu spät. «Die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut empfiehlt die Grippeschutzimpfung bis einschließlich November», erklärte der Sprecher.

 

Die Belieferung mit den Impfstoffen ist neu geregelt: Erstmals hatten die Kassen über das exklusive Bereitstellen eines Impfstoffs verhandelt. Zuvor bestellte jeder Arzt den Impfstoff für seine Patienten in der Apotheke. Mit den Herstellern verhandelte federführend die AOK; die Ausschreibung für den Norden gewann Novartis. Die ausgehandelten Rabattverträge sollen die Kosten für die Kassen senken. Ärzte, die aus medizinischer Sicht jetzt impfen wollen, müssen laut KVSH auf einen anderen Impfstoff ausweichen. Das Verfahren zeige, dass Einsparungen die Versorgungssicherheit gefährden können, hieß es. Die Bestellung des Impfstoffs gehöre daher wieder in die Verantwortung der Ärzte. Laut AOK müssen Ärzte, die in medizinisch begründeten Einzelfällen auf andere Impfstoffe ausweichen, auf eine wirtschaftliche Verordnung achten und alles detailliert dokumentieren.

 

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26.09.2012 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/fovito