Pharmazeutische Zeitung online

Grippeimpfstoff: Diskussion um Alternativen

In den Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg und Bayern verzögert sich der Start der  diesjährigen Grippeimpfung. Dort sollen nach einem kassenübergreifenden Vertrag alle gesetzlich Versicherten mit Begripal® von Novartis Vaccines geimpft werden. Allerdings kann die Firma voraussichtlich erst Mitte Oktober liefern. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat nun auf Anfragen zu Alternativen reagiert.

 

Bei einer Auslieferung Mitte Oktober würden die Impfungen rund zwei Wochen später als üblich beginnen. Laut Robert-Koch-Institut ist die beste Zeit zur Impfung im Oktober oder November. Zumindest in Bayern müssen Risikopatienten wie Über-65-Jährige, Kinder, chronisch Kranke, Schwangere und Immungeschwächte nicht so lange warten. Sie erhalten einen Ersatzimpfstoff. Die Krankenkassen in Hamburg haben zugesagt, dass für die Impfung von Kindern und Jugendlichen alle verfügbaren geeigneten Impfstoffe verwendet werden können. In Schleswig-Holstein soll der Impfstoff doch bereits ab heute zur Verfügung stehen.

 

Neben Begripal stehen mehrere andere saisonale Grippeimpfstoffe zur Verfügung, die Antigene der aktuellen Impfempfehlungen enthalten. Insgesamt hat das PEI bislang rund 11,1 Millionen Impfdosen in dieser Saison freigegeben.

 

Als mögliche Alternative steht der Zellkulturimpfstoff Optaflu® zur Diskussion, da das Präparat ebenfalls von Novartis Vaccines stammt. Die für die Zulassung von Optaflu  relevanten klinischen Prüfungen seien direkt im Vergleich mit Begripal  durchgeführt worden. In Bezug auf Wirkungen und Nebenwirkungen seien beide Impfstoffe vergleichbar, erklärte das PEI am Freitag. Anders als bei Begripal werden die benötigten Impfviren bei der Optaflu-Herstellung nicht in Hühnereiern vermehrt. Stattdessen kommen Zellkulturen, sogenannte MDCK-Zellen (Madin Darby Canine Kidney), zum Einsatz. Lebende Zellen dieser Zelllinien, die aus dem Nierengewebe vom Hund stammen, erzeugten Tumore bei immunsupprimierten Mäusen. Das Europäische Arzneibuch schreibt diesen Test vor, um das tumorigene Potenzial von Zelllinien zu ermitteln. Optaflu selbst enthalte jedoch keine intakten, lebenden MDCK-Zellen oder funktionale DNA, betonte das PEI. Zusätzliche Untersuchungen hätten zudem gezeigt, dass inaktivierte Zelllinien sowie gereinigtes Genom der Zellen kein tumorigenes Potenzial besitzen. (va)

 

Lesen Sie dazu auch

Grippe: Noch keine Prognose für den nächsten Winter, Meldung vom 18.07.2012

PEI-Informationen zu den aktuellen Grippeimpfstoffen (externer Link)

 

24.09.2012 l PZ

Foto: Novartis