AMD: Lucentis und Avastin nahezu gleich gut wirksam |

Das Krebsmedikament Bevacizumab ist Ranibizumab nahezu ebenbürtig in der Wirksamkeit in der Indikation altersbedingte Makuladegeneration (AMD) – bei einem Bruchteil der Kosten. Dies zeigen die Zwei-Jahres-Daten einer klinischen Studie mit mehr als 1000 Patienten. Bereits nach einem Jahr hatte sich gezeigt, dass das speziell für AMD zugelassene Ranibizumab (Lucentis® von Novartis) dem off label eingesetzten Bevacizumab (Avastin® von Roche) nicht signifikant überlegen ist. Dies bestätigen die neuen Daten. Nur in einer Untergruppe, die die Behandlung nicht regelmäßig einmal monatlich, sondern nach Bedarf in den Glaskörper des Auges injiziert bekam, war Ranibizumab leicht überlegen. Schwere Nebenwirkungen wie kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle traten in beiden Gruppen gleichermaßen auf, könnten jedoch dem Alter der Patienten geschuldet sein.
Bei der AMD wachsen vermehrt Blutgefäße in der Netzhaut, was zu Sehverlust bis hin zu Erblindung führt. Beide Antikörper hemmen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF), der das Gefäßwachstum veranlasst. Aus wirtschaftlichen Gründen hatte Avastin-Hersteller Roche keine Studien zu AMD durchgeführt und diese Indikationszulassung nicht angestrebt. Die jetzt im Fachjournal «Ophthalmology» veröffentlichte Studie entstand auf Initiative des US-National Eye Institutes. Ob die Ergebnisse etwas an der rechtlichen Zulässigkeit des Off-Label-Einsatzes von Bevacizumab etwas ändern, bleibt abzuwarten. (db)
doi:10.1016/j.ophtha.2012.03.053
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07.05.2012 l PZ
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