Oseltamivir: Neue Kritik an Roches Informationspolitik |

Der pharmazeutische Unternehmer Roche hält seit Jahren wichtige Studiendaten zum Grippemittel Oseltamivir (Tamiflu®) zurück, werfen die Mediziner Peter Doshi (Johns Hopkins University, USA), Chris Del Mar (Bond University, Australien) und Tom Jefferson (Cochrane Collaboration, Italien) dem Schweizer Konzern vor. Sie fordern nun in einem Artikel im Journal «PLoS Medicine», alle Informationen über den Arzneistoff der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie plädieren generell für eine Veröffentlichungspflicht für die Ergebnisse klinischer Studien.
Im Januar 2012 hatten dieselben Autoren im Rahmen eines Cochrane-Review ein negatives Urteil über das Influenzamittel Oseltamivir gefällt. Die Metaanalyse hatte Unterschiede zwischen publizierten und unveröffentlichten Studienergebnissen festgestellt. Der Hersteller Roche hatte laut Autorenaussage außerdem Daten zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen zurückgehalten.
Wie die drei Wissenschaftler berichten, forderten sie für die Cochrane-Analyse von Roche Zugang zu allen verfügbaren Daten über Oseltamivir. Der Unternehmer habe sie jedoch immer wieder vertröstet und die Daten nicht herausgeben wollen, wie der im Artikel veröffentlichte Schriftwechsel belegen soll. Da die Öffentlichkeit die Medikamente einnehme und dafür zahle, habe sie auch ein Recht auf Information, so die Autoren.
Gerd Antes, Leiter des deutschen Cochrane-Zentrums, sagte dazu gegenüber der «Süddeutschen Zeitung»: «Es ist ein täglicher Skandal. Noch immer gilt es als Kavaliersdelikt, Daten nicht zu publizieren, wenn sie nicht passen.» (va)
doi: 10.1371/journal.pmed.1001201 (PLoS Medicine)
doi: 10.1002/14651858.CD008965.pub3 (Cochrane-Review)
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