| Laura Rudolph |
| 16.07.2026 14:00 Uhr |
Kara Bathmann (links) studiert im achten Semester Pharmazie und spielt beim 1. FSV Mainz 05 in der 1. Frauen-Bundesliga. Hier ist sie im Zweikampf zu sehen. / © Imago Images/foto2press
Wenn andere Studierende nach einem Uni-Tag den Laptop zuklappen, schlüpft Kara Bathmann in ihre Fußballschuhe. Die 23-Jährige studiert Pharmazie im achten Semester in Frankfurt am Main – und spielt gleichzeitig für den 1. FSV Mainz 05 in der Frauen-Bundesliga. Erst vor wenigen Wochen gelang ihrem Team der Aufstieg ins deutsche Oberhaus.
Wer mit Bathmann über ihren Alltag spricht, merkt schnell: Viel Platz für Leerlauf bleibt nicht. Studium, Training, Spiele und Prüfungen müssen in Tage integriert werden, die ohnehin schon voll sind. »Man muss sich auf jeden Fall gut einteilen, wann man für die Uni lernt«, sagt sie.
Der Fußball begleitet Bathmann schon seit ihrer frühen Kindheit. Bereits mit drei Jahren nahmen sie ihre beiden älteren Brüder regelmäßig mit auf den Bolzplatz, mit vier begann sie selbst im Verein zu spielen. Aus dem Hobby wurde über die Jahre Leistungssport.
Stationen beim SV Meppen und MSV Duisburg brachten ihr bereits Bundesliga-Erfahrung, allerdings verbunden mit zwei Abstiegen. Anschließend wechselte sie nach Mainz – und erlebte dort die andere Seite des Sports: Mit dem Team schaffte sie zwei Aufstiege in Folge, von der Regionalliga bis in die Bundesliga. Dass dieser Erfolg so schnell kommen würde, hatte sie selbst nicht erwartet. Entsprechend groß seien die Veränderungen gewesen, die der Sprung in die höchste Spielklasse mit sich bringt.
Zum Pharmaziestudium fand Bathmann über ihre Begeisterung für Naturwissenschaften. In der Schule belegte sie Chemie als Leistungskurs, später überzeugte sie eine Schnuppervorlesung an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.
Heute weiß sie allerdings auch, was das Studium ihr abverlangt. Gerade die vielen Pflichtveranstaltungen und Laborpraktika machen die Organisation schwierig, erzählt sie. In der vergangenen Fußballsaison habe die Mannschaft häufig erst abends trainiert, was es leichter machte, Studium und Fußball unter einen Hut zu bekommen. Aktuell trainiere das Team häufig bereits am Nachmittag, an sechs Tagen in der Woche. Nur ein Tag bleibt komplett frei. Am Wochenende stehen die Spiele an.
Deshalb beginnt ihr Tag oft schon am Morgen mit Lernen. Die erste Tageshälfte gehört überwiegend der Universität und den Studieninhalten, bevor am Nachmittag der Fußball übernimmt. Eine Trainingseinheit dauert dabei meist etwa anderthalb Stunden, kann je nach Schwerpunkt aber auch deutlich länger ausfallen.
Besonders fordernd sind die Prüfungsphasen. »Da muss man dann zum Beispiel auch auf dem Weg zum Spiel lernen«, erzählt sie. Das Pharmaziestudium gilt nicht zuletzt wegen seines hohen Anteils an verpflichtenden Veranstaltungen als sehr zeitintensiv. Umso mehr freut sie sich darüber, inzwischen bereits im achten Semester angekommen zu sein.
Trotzdem sieht sie den Sport nicht nur als zusätzlichen Stressfaktor. Im Gegenteil: Nach Stunden über Skripten und Fachbüchern sorge das Training oft für den nötigen Ausgleich. Der Kopf werde frei, bevor am nächsten Morgen wieder das Studium wartet.
Dass dieses Modell funktioniert, schreibt sie nicht zuletzt ihrer Familie zu. Nach einer Studienpause aufgrund ihrer Zeit in der 1. Frauen-Bundesliga zog sie wieder nach Frankfurt. Ihre Eltern unterstützen sie bis heute und sitzen, wenn möglich, auch auf der Tribüne zum Anfeuern. »Meine Eltern halten mir echt den Rücken frei«, sagt Bathmann. »Ich glaube, ohne sie hätte ich das nicht in dieser Form geschafft.«
Ihre Geschichte erzählt zugleich etwas über die Realität vieler Fußballerinnen in Deutschland. Auch in der Bundesliga können sich längst nicht alle Spielerinnen ausschließlich auf den Sport konzentrieren. Viele studieren, arbeiten zumindest in Teilzeit oder absolvieren eine Ausbildung, schildert Bathmann. Zwar könne man in der höchsten Spielklasse grundsätzlich vom Fußball leben, die Unterschiede zwischen etablierten Spitzenvereinen und Aufsteigern seien allerdings weiterhin groß.
Wie es nach dem Studium weitergeht, weiß die 23-Jährige noch nicht genau. Sie denke darüber nach, zunächst in Teilzeit in der Apotheke zu arbeiten, während sie weiter Fußball spielt. Festgelegt hat sie sich aber noch nicht. Derzeit steht ohnehin etwas anderes im Vordergrund: die Bundesliga-Premiere mit dem FSV Mainz 05 und der nahende Abschluss des Studiums. Dass sie beides gleichzeitig meistert, erscheint ihr selbst manchmal erstaunlich. »Ich finde es immer noch krass, dass ich jetzt im achten Semester bin«, sagt sie.
Viel spricht dafür, dass ihr die Fähigkeiten, die sie auf dem Fußballplatz braucht, auch im Studium helfen: Disziplin, Ausdauer und die Bereitschaft, sich immer wieder neu zu organisieren. Eigenschaften, die in beiden Feldern täglich gefragt sind.