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Wundermittel gegen Covid-19

Zu schön, um wahr zu sein

»Nahrungsergänzungsmittel können eine Covid-19-Erkrankung weder verhindern noch heilen« – so deutlich formulierte es diese Woche noch einmal das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Eine neue Kontrollstelle geht jetzt gegen dubiose Angebote im Internet vor.
dpa
PZ
26.11.2020  08:00 Uhr

»Unter den Nahrungsergänzungsmitteln gibt es keine Wundermittel gegen Corona«, erklärte BVL-Präsident Friedel Cramer. »Es ist unerhört, wie manche Händler in der aktuellen Pandemie versuchen, aus den Ängsten der Menschen Profit zu schlagen.« Er versprach, dass die Behörden entschieden dagegen vorgingen. 

In Deutschland haben die Kontrollstellen der Länder bereits 60 derartige Websites im Internet gefunden, wo für Produkte mit zweifelhaften oder illegalen Versprochen geworben wurde. Im Zuge einer europaweiten Kontrollaktion wurden bisher 592 auffällige Internetseiten identifiziert. Die deutschsprachigen Angebote wurden laut BVL zur Überprüfung an die zuständigen Überwachungsbehörden weitergeleitet. Nach Kontrollen seien die Angebote geändert oder gelöscht worden.

Die Behörde erinnert: »Grundsätzlich dienen Nahrungsergänzungsmittel der Ergänzung einer normalen Ernährung. Rechtlich betrachtet sind Nahrungsergänzungsmittel Lebensmittel und keine Arzneimittel. Dementsprechend ist jegliche Form von Werbeaussagen, die eine Heilung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten versprechen, in der Europäischen Union verboten.«

Verbraucherzentralen warnen bereits seit Längerem vor unseriösen Anbietern und gehen dagegen vor. »Immer mehr Hersteller bewerben ihre Nahrungsergänzungsmittel oder Pflanzenextrakte mit angeblichem Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus. Doch das ist in der Regel nicht erlaubt«, hieß es etwa in einer Mitteilung der Berliner Verbraucherzentrale vom Juni.

Sie ging unter anderem gegen ein Unternehmen vor, das damit warb, Hanföl könne die Empfänglichkeit gegenüber allen Arten von Virusinfektionen verringern. Ein weiterer Anbieter bewarb ein »Immunity Set« – verschiedene Pflanzenpulver zur Herstellung von Smoothies, die vermeintlich einen Beitrag zur Bekämpfung von SARS-CoV-2 leisten sollten. Gegen diesen Anbieter klagte die Verbraucherzentrale.

Generell ist laut BVL Vorsicht bei schnellen und unrealistischen Erfolgsversprechen bei Nahrungsergänzungsmitteln geboten, ebenso bei Empfehlungen in Diskussionsforen und Chatrooms. Bei scheinbaren Erfahrungsberichten handle es sich häufig um getarnte Werbung. Verbraucher sollten Nahrungsergänzungsmitteln nicht von Privatpersonen kaufen, warnt das BVL. Kunden sollten sich vor dem kauf über ihnen unbekannte Inhaltsstoffe informieren und sich die Produktabbildungen genau ansehen.

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