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Pankreaskrebs

Zielgerichtete Therapie schenkt ein Jahr Lebenszeit

Pankreaskarzinome haben meist keine gute Prognose. Eine Medikamentenauswahl auf Basis genetischer Testung kann, falls entsprechende Mutationen vorliegen, das Gesamtüberleben im Schnitt um ein Jahr verlängern, zeigt eine neue Studie.
Christopher Waxenegger
09.03.2020  12:00 Uhr

Aufgrund der unspezifischen Symptome im Frühstadium und dem schnellen Fortschreiten der Erkrankung wird das Pankreaskarzinom meist erst in späteren Stadien diagnostiziert und geht mit einer sehr hohen Mortalität einher. Das 5-Jahresüberleben beträgt hierzulande konstant nur rund 10 Prozent, während es bei anderen Krebserkrankungen wie dem Kolonkarzinom seit Jahren rückläufig ist. Dies zeigt die Dringlichkeit zur Entwicklung neuer Therapiestrategien. In einer jüngst in der Fachzeitschrift »Lancet Oncology« publizierten Studie haben Forscher vom Anderson Cancer Centre der Universität Texas untersucht, ob ein patientenindividueller Therapieansatz das Gesamtüberleben steigern kann.

In der vorliegenden retrospektiven Studie wurden 1.082 Patienten mit diagnostiziertem Pankreaskarzinom einer molekulargenetischen Testung unterzogen, um bestimmte Treibermutationen zu finden, gegen die es spezifische Medikamente gibt. Bei insgesamt 282 Personen (26 Prozent) lagen solche Alterationen vor, wovon wiederum 46 (4 Prozent) eine gezielte Behandlung in Abhängigkeit des molekulargenetischen Profils erhielten (eine sogenannte »Matched Therapy«), zum Beispiel den Checkpointinhibitor Pembrolizumab bei einer Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H), den PARP-Inhibitor Olaparib bei BRCA-Mutationen oder Gemcitabin bei BRAF-Mutationen. Der Einsatz erfolgte zum Teil off Label.

Der primäre Endpunkt der Studie war das mediane Gesamtüberleben ab Diagnosestellung. Das durchschnittliche Alter der Patienten betrug bei Einschluss 62 Jahre, davon 53 Prozent Männer mit einem Anteil von 82 Prozent kaukasischer Abstammung. Nach einer Beobachtungsdauer von im Mittel 383 Tagen waren signifikant mehr Patienten unter der »Matched Therapy« am Leben als im Vergleichsarm mit Standardtherapie, die trotz vorliegender Mutationen aus unterschiedlichen Gründen keine zielgerichtete Therapie erhalten hatten (31 Monate versus 18 Monate). Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Resektionsstatus, Anzahl der Therapien und stattgefundene Platin-basierte Therapiealgorithmen hatten keinen Einfluss auf das Ergebnis.

Sogenannte DNA-Damage-Respond (DDR)-Mutationen machten den Großteil der gefundenen Alterationen aus. Aus früheren Studien ist bekannt, dass diese besonders gut auf PARP-Inhibitoren wie Olaparib ansprechen. Da PARP-Inhibitoren auch Teil des patientenindividuellen Therapieansatzes waren, wurden DDR-Mutationsträger und Non-DDR-Mutationsträger direkt miteinander verglichen, um eine Verfälschung der Studienergebnisse auszuschließen. Wie erhofft zeigte sich kein signifikanter Unterschied im Gesamtüberleben, was wiederum den Nutzen einer molekulargenetischen Untersuchung im ausgewählten Patientenkollektiv bestätigt.

Weitere prospektive Studien müssen jetzt durchgeführt werden, um den Nutzen dieser Behandlung zu verifizieren und sie im klinischen Alltag zu etablieren. Professor Dr. Jörg Kleeff von der Martin-Luther-Universität in Halle an der Saale kommentiert dazu: »Es gibt noch eine Reihe wichtiger Fragen zu beantworten. Diese umfassen technische Details zur Sequenzierung von Tumorgeweben und Keimbahnmaterial, aber auch klinische Fragen wie den Zeitpunkt der Behandlung, die Wahl der richtigen Chemotherapie (Rückgrat) sowie Kombinationsbehandlungsschemata.«

Das Pankreaskarzinom zählt in Deutschland zu den zehn häufigsten Tumorarten mit einer jährlichen Neuerkrankungsrate von rund 17.000. Neben genetischen Ursachen und der chronischen Pankreatitis sind als Risikofaktoren Alter, Rauchen, Adipositas, Alkoholkonsum und Diabetes mellitus bekannt.

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