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Delta-Variante in Großbritannien

Zahl der Corona-Ausbrüche in Schulen steigt deutlich an

Unter britischen Schülern breitet sich das Coronavirus einem Bericht der »Sunday Times« zufolge rasant aus. Ein Grund ist die als ansteckender geltende Delta-Variante. In Deutschland werden Rufe nach einer Corona-Impfempfehlung für Kinder laut.
dpa
28.06.2021  17:42 Uhr

In der Woche zum 20. Juni sei die Zahl der infizierten 5- bis 9-Jährigen im Vergleich zur Vorwoche um 70 Prozent gestiegen, bei den 10- bis 14-Jährigen sei es ein Plus von 56 Prozent, berichtete die britische Zeitung »Sunday Times« unter Berufung auf Zahlen der Gesundheitsbehörde Public Health. Insgesamt 16.100 Schüler waren wegen einer Corona-Infektion abwesend, in der Vorwoche waren es noch 10.600. Weil zudem Zehntausende wegen möglichen Kontakts mit Infizierten in Selbstisolation geschickt wurden, fehlten insgesamt 216.000 Schüler im Unterricht.

Grund für die rasche Ausbreitung sei die hoch ansteckende Delta-Variante, berichtete die Zeitung. Der Co-Generalsekretär der Lehrergewerkschaft National Education Union, Kevin Courtney, warnte vor einer Vervielfachung der Fälle. Steve Chalke von der Wohltätigkeitsorganisation Oasis Trust sagte, Schulen seien »Inkubationszentren für die neue Delta-Variante«. »Der Trend in Schulen zeigt seit drei Wochen nach oben. Wir haben offensichtlich noch nicht die Spitze dieser dritten Welle erreicht«, so Chalke.

Eltern kritisieren zunehmend die Strategie der Regierung, bei positiven Corona-Selbsttests die ganze Klasse für zehn Tage in Selbstisolation zu schicken. Zehntausende gesunde Kinder würden deshalb den Unterricht versäumen. Befürworter der Praxis weisen indes darauf hin, dass nur 15 Prozent der Eltern ihre Kinder regelmäßig testen. Gewerkschaften fordern eine Beibehaltung der Maskenpflicht sowie eine bessere Belüftung für Schulklassen. Schulleiter hoffen auf eine baldige Entscheidung zugunsten einer Impfung von Kindern.

Lauterbach fordert Neubewertung der STIKO

Aufgrund der Daten forderte SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach die Ständige Impfkommission (STIKO) auf, ihre eingeschränkte Empfehlung für die Corona-Impfung von Kindern zu überdenken. »In Großbritannien sind bereits viele Kinder mit Covid in der Klinik. Die Ständige Impfkommission argumentiert, dass Covid-19 für Kinder harmlos sei. Für die Delta-Variante gilt dies meiner Ansicht nach aber nicht«, sagte Lauterbach der »Rheinischen Post« vom 28. Juni.

Die STIKO hat bisher keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren ausgesprochen. Sie empfiehlt Impfungen nur für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen wie Adipositas, Diabetes und chronischen Lungenerkrankungen. Das Gremium begründete seine Empfehlung vor knapp drei Wochen unter anderem damit, dass das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung für diese Altersgruppe gering sei.

»Die Angaben der STIKO beziehen sich immer auf alte Varianten«, kritisierte Lauterbach. »Die Durchseuchung der Kinder mit der Delta-Variante ist zu riskant. Und Wechselunterricht ist keine Lösung.« Zugleich regte er an, mehr zu tun, um Impfskeptiker zu gewinnen. »In Israel steigt die Inzidenz trotz hoher Impfquote und Topwetter wieder an. Es zeigt sich: Echte Normalität wird nur mit einer sehr hohen Impfquote kommen.« Er gehe davon aus, dass eine Impfquote von mehr als 80 Prozent nötig sei. In Israel sind gut 55 Prozent der Bevölkerung inzwischen geimpft. Bei den nun ansteigenden Neuinfektionen handelt es sich laut Daten des israelischen Gesundheitsministeriums zu rund 90 Prozent um die Delta-Variante – die Hälfte der Neuinfizierten ist geimpft. Die meisten der Infizierten sind Kinder.

In Deutschland werden Impfungen von Kindern ab 12 Jahren vor allem dann eine Option, wenn genug Impfstoff vorhanden und die Mehrheit der impfwilligen Erwachsenen bereits geschützt ist. Das könnte laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bereits im Sommer soweit sein. »Bis Ende Juli wird jeder Erwachsene in Deutschland, der geimpft werden will, auch eine erste Impfung erhalten haben können; wenn die Lieferungen so weitergehen, vielleicht noch ein Stück früher«, sagte Spahn am Samstag in einer Diskussionsrunde in Berlin. Wie aus Daten des Robert-Koch-Instituts vom Samstag hervorgeht, sind knapp 44,4 Millionen Menschen (53,3 Prozent) zumindest einmal und 28,9 Millionen (34,8 Prozent) vollständig geimpft. Allein am Freitag wurden 852.814 Impfdosen verabreicht.

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