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Nierenerkrankungen
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Worauf Apotheken besonders achten sollten

Chronische Nierenerkrankungen entwickeln sich schleichend und bleiben häufig jahrelang unentdeckt – mit gravierenden Folgen für Morbidität und Mortalität. Neue Therapieoptionen, aber auch die Rolle der Apotheke als Sicherheitsinstanz eröffnen, große Chancen, das Fortschreiten der Erkrankung wirksam zu bremsen.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 21.01.2026  14:30 Uhr
Worauf Apotheken besonders achten sollten

Knapp eine Milliarde Menschen weltweit sind von einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) betroffen. Viele wissen davon (noch) gar nichts, denn Nierenerkrankungen tun erst mal nicht weh. Professor Dr. Kai M. Schmidt-Ott von der Medizinischen Hochschule Hannover informierte beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming, dass Nephrologen grob zwischen CKD und akuter Nierenerkrankung unterscheiden. Während die Nierenfunktion bei akuter Erkrankung innerhalb von wenigen Tagen schnell abnimmt, verläuft der Prozess bei CKD langsam über viele Jahre. Egal ob CKD oder akute Nierenerkrankung: Sie gehen dem Referenten zufolge beide mit massiven Anstiegen von Morbidität und Mortalität einher.

Dreifachhammer kann tödlich sein

Die häufigsten Ursachen für CKD seien Diabetes und Hypertonie. Akute Nierenerkrankungen hätten dagegen ganz andere Gründe, unter anderem die Einnahme von nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen oder Naproxen. »Alle Alarmglocken sollten angehen bei der Verordnung des sogenannten Triple Whammys, der Kombination aus Diuretikum, Hemmer des Renin-Angiotensin-Systems und NSAR«, betonte Schmidt-Ott.

Der Mediziner informierte, dass es das Therapieziel bei CKD ist, die Betroffenen möglichst lange im stabilen Stadium zu halten. Essenziell dafür seien die Behandlung der Ursache, also etwa Diabetes und Bluthochdruck, und allgemeine Maßnahmen zur Progressionshemmung wie eine natriumarme Ernährung. Zudem erhalten die Patienten in der Regel einen ACE-Hemmer oder ein Sartan – aber nie beides. »Viele Studien haben gezeigt, dass das Fortschreiten der CKD damit verlangsamt werden kann«, sagte der Mediziner.

Eine wahre Revolution in der CKD-Behandlung habe es zudem in den vergangenen Jahren durch die SGLT2-Hemmer Empagliflozin und Dapagliflozin gegeben, die in Studien phantastisch abgeschnitten, die CKD-Progression verlangsamt und Nierenendpunkte reduziert hätten. Auch Finerenon, ein nicht-steroidaler selektiver Antagonist des Mineralocorticoid-Rezeptors, könne mit guten Daten bei Typ-2-Diabetes und CKD aufwarten. Zukünftig sieht Schmidt-Ott verstärkt auch GLP-1-Rezeptoragonisten als Therapieoption bei CKD. Als Beispiel führte er die Flow-Studie an, in der Semaglutid bei Typ-2-Diabetikern mit CKD überzeugen konnte.

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