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Coronavirus-Pandemie

Wo stehen wir bei der Impfstoffentwicklung?

Wie sieht es um die Wirksamkeit der Impfstoffe aus? Dazu hat Dingermann eine eindeutige Antwort: Für keinen der Impfstoffe sei bislang eine Wirksamkeit belegt. Alle haben Surrogate wie Antikörperbildung und spezifische T-Zell-Bildung gezeigt. Aber dass einer der Impfstoffkandidaten wirklich vor einer Infektion schützt, müsse in den nun laufenden Phase-III-Studien bewiesen werden.

In welcher Größenordnung sich eine Wirksamkeit abspielen könnte, stellte Dingermann anhand des Studiendesigns der Phase-III-Studie von BioNTech vor. In einem Interview der Süddeutschen Zeitung formulierte BioNTech-CEO Professor Dr. Ugur Sahin folgende Rahmenbedingungen: Wenn sich von 30.000 Studienteilnehmern 50 in der Placebogruppe und maximal 10 in der Verumgruppe mit dem Virus infizieren, könne man von Wirksamkeit sprechen.  Dingermann geht davon aus, dass BioNTech Anfang Oktober einen Zulassungsantrag stellen werde.

Voraussetzung dafür sei aber, dass die Firma harte Belege dafür habe, dass der Impfstoff schützt und in welchem Ausmaß. Von regulatorischer Seite aus gebe es Äußerungen, dass auch ein Impfstoff mit 50-prozentiger Wirksamkeit zugelassen werden würde.

Was lässt sich daraus womöglich epidemiologisch für eine Durchimpfungsrate ableiten? Unter der Voraussetzung, dass man einen Impfstoff mit einer Effektivität in der Größenordnung von 60 bis 80 Prozent hat, sollte Dingermann zufolge eine Impfquote von 75 bis 80 Prozent erreicht werden. »Um die Population zu schützen, brauchen wir also hohe Durchimpfungsrate«, so der Referent. Davon sei man allerdings noch weit entfernt. Umfragen zufolge liege die Bereitschaft, sich gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen, derzeit bei 40 bis 50 Prozent. »Das wäre definitiv zu wenig, um die gesamte Population zu schützen«.

Für den Einzelnen spiele das aber keine große Rolle, betonte Dingermann. Hier sei allein die Effektivität wichtig und daher könne man nur hoffen, dass man in eine Größenordnung von 70 bis 80 Prozent komme. »Das wäre für die Prototypen ein sehr gutes Ergebnis«, sagte Dingermann.

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