| Lukas Brockfeld |
| 01.10.2026 14:30 Uhr |
Es gehe dabei ausdrücklich nicht darum, pflegerische Aufgaben zu übernehmen, für die pflegefachliche Kompetenz erforderlich ist. »Es geht darum, die Kompetenzen der Apotheke dort einzubringen, wo sie einen zusätzlichen Nutzen für Pflegebedürftige, Angehörige und professionell Pflegende schaffen können. Ebenso selbstverständlich gehört dazu, konsequent an Pflegefachpersonen weiterzuvermitteln, sobald pflegefachliche Expertise gefragt ist«, erklärt der Apotheker.
Nejatian verweist auf seine Erfahrungen mit dem Gesundheits- und Pflegenetzwerk Erzhausen. Dort arbeite man eng mit Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten zusammen. »Unsere Erfahrung ist nicht, dass wir uns gegenseitig Aufgaben wegnehmen. Im Gegenteil. Wir haben uns besser kennengelernt, Schnittstellen identifiziert, ein größeres Verständnis für die jeweiligen Kompetenzen entwickelt und Wege geschaffen, Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen gezielter weiterzuvermitteln«, berichtet der Apotheker. Christine Vogler sei herzlich eingeladen, sich vor Ort selbst einen Eindruck zu verschaffen.
Der aktuelle Zeitpunkt sei genau richtig für einen Dialog zwischen der Apothekerschaft und dem Pflegerat. »Im Gesundheitswesen wird es künftig nicht zu wenig Arbeit geben. Es wird erheblich mehr Arbeit geben, die wir gemeinsam bewältigen müssen«, so Nejatian.
Gegenüber der PZ verweist Nojan Nejatian auch auf die jüngsten Diskussionen zur Pflegereform. »Die Erhöhung der Beiträge für Teile der Bevölkerung zeigt, dass es in der Pflege fünf vor zwölf ist. Wir werden diese Herausforderung nur gemeinsam meistern können. Auch das Engagement der Apotheken wird nötig sein, damit wir unsere Patienten auch in Zukunft adäquat versorgen können und damit die bestmögliche Pflege gewährleistet werden kann«, so der Apotheker.
Nejatian bezeichnet die aktuelle Situation als sozialen Sprengstoff: »Eine gute Pflege ist für das Funktionieren der Demokratie elementar. Wenn die Versorgung einbricht, dann ist es eine zusätzliche Krise für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.« Die Apothekerschaft müsse ihren Teil dazu beitragen, einen Kollaps des Systems zu verhindern. Schon in der Pandemie hätten die Apotheken bewiesen, dass sie resilient und krisenfest seien.