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Diskussion um Pflege-pDL
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»Wir werden diese Herausforderung nur gemeinsam meistern können«

Der Deutsche Pflegerat (DPR) hat mögliche neue pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) zur Unterstützung der Pflege deutlich kritisiert. Nojan Nejatian, der einen entsprechenden Antrag auf dem Deutschen Apothekertag (DAT)  eingebracht hat, entgegnet, dass man die Pflegekrise nur gemeinsam bewältigen könne.
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 01.10.2026  14:30 Uhr

Beim Deutschen Apothekertag (DAT) in München wurde über mögliche neue pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) im Bereich Pflege diskutiert. Die Landesapothekerkammer Hessen wünschte sich in einem Antrag eine pDL, die es Apothekerinnen und Apothekern ermöglicht, pflegebezogene Beratungs- und Unterstützungsleistungen strukturiert und vergütet anzubieten. Die Apothekerkammer Berlin forderte in einem anderen Antrag die Einführung der pDL »pharmazeutischer Hausbesuch für pflegende Angehörige«.

Beide Anträge wurden zur Beratung in den Ausschuss verwiesen. Trotzdem übte der Deutsche Pflegerat (DPR) in einer Stellungnahme Kritik an den Vorstößen. »Apotheken, die pflegerische Begleitung und Beratung als eigene Leistung definieren, übernehmen Aufgaben aus dem Kernbereich der Profession Pflege und der Pflegedienste«, erklärt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. »Pflegerische Aufgaben werden nicht pharmazeutisch, nur weil man sie so nennt. Pflege ist ein eigenständiger, hochqualifizierter Gesundheitsfachberuf mit eigener Verantwortung. Dessen Kompetenzen müssen vollständig genutzt und vergütet werden, statt sie als Aufgabenreservoir für andere Berufe zu nutzen.«

Doch Nojan Nejatian, der als Delegierter der Landesapothekerkammer Hessen auf dem DAT einen der diskutierten Anträge vorgestellt hat, weist die Kritik des Pflegerats zurück. In einem Brief, der der PZ vorliegt, wendet er sich an Christine Vogler.

Versorgungslücken gemeinsam schließen

Der Apotheker betont in seinem Schreiben die Notwendigkeit des Austauschs der Berufsgruppen und erklärt, dass es ihm und der Kammer Hessen nicht darum gehe, pflegerische Kernkompetenzen durch andere Berufsgruppen zu ersetzen. »Vielmehr sollten wir darüber sprechen, wie wir die vorhandenen Kompetenzen der unterschiedlichen Gesundheitsberufe sinnvoll miteinander verbinden, Schnittstellen verbessern und bestehende Versorgungslücken gemeinsam schließen können«, schreibt Nejatian.

Der Approbierte verweist auf die demografische Entwicklung in Deutschland. Ende 2023 habe es in Deutschland bereits rund 5,69 Millionen pflegebedürftige Personen gegeben. 86 Prozent von ihnen würden zu Hause versorgt. Mit dem Renteneintritt und der zunehmenden Pflegebedürftigkeit der Babyboomer-Generation werde sich die Situation in absehbarer Zeit deutlich verschärfen. »Vor diesem Hintergrund sollte aus meiner Sicht die zentrale Frage nicht lauten: ›Welche Berufsgruppe bekommt welche Aufgabe?‹ Sondern: Wie schaffen wir es gemeinsam, die Versorgung dieser Menschen auch in zehn, zwanzig und dreißig Jahren sicherzustellen?«, heißt es in dem Schreiben.

Eine enge Zusammenarbeit von Apotheken und der Pflege sei eine Chance: »Wir begleiten Patientinnen und Patienten häufig über viele Jahre, kennen ihre Arzneimittelversorgung und erleben im Alltag oft frühzeitig, wenn Versorgungsprobleme entstehen, Angehörige überfordert sind oder Schwierigkeiten bei der Arzneimittel- und Hilfsmittelversorgung auftreten«, schreibt Nejatian.

Einladung nach Erzhausen

Es gehe dabei ausdrücklich nicht darum, pflegerische Aufgaben zu übernehmen, für die pflegefachliche Kompetenz erforderlich ist. »Es geht darum, die Kompetenzen der Apotheke dort einzubringen, wo sie einen zusätzlichen Nutzen für Pflegebedürftige, Angehörige und professionell Pflegende schaffen können. Ebenso selbstverständlich gehört dazu, konsequent an Pflegefachpersonen weiterzuvermitteln, sobald pflegefachliche Expertise gefragt ist«, erklärt der Apotheker.

Nejatian verweist auf seine Erfahrungen mit dem Gesundheits- und Pflegenetzwerk Erzhausen. Dort arbeite man eng mit Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten zusammen. »Unsere Erfahrung ist nicht, dass wir uns gegenseitig Aufgaben wegnehmen. Im Gegenteil. Wir haben uns besser kennengelernt, Schnittstellen identifiziert, ein größeres Verständnis für die jeweiligen Kompetenzen entwickelt und Wege geschaffen, Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen gezielter weiterzuvermitteln«, berichtet der Apotheker. Christine Vogler sei herzlich eingeladen, sich vor Ort selbst einen Eindruck zu verschaffen.

Der aktuelle Zeitpunkt sei genau richtig für einen Dialog zwischen der Apothekerschaft und dem Pflegerat. »Im Gesundheitswesen wird es künftig nicht zu wenig Arbeit geben. Es wird erheblich mehr Arbeit geben, die wir gemeinsam bewältigen müssen«, so Nejatian.

Pflegekrise als Gefahr für die Demokratie

Gegenüber der PZ verweist Nojan Nejatian auch auf die jüngsten Diskussionen zur Pflegereform. »Die Erhöhung der Beiträge für Teile der Bevölkerung zeigt,  dass es in der Pflege fünf vor zwölf ist. Wir werden diese Herausforderung nur gemeinsam meistern können. Auch das Engagement der Apotheken wird nötig sein, damit wir unsere Patienten auch in Zukunft adäquat versorgen können und damit die bestmögliche Pflege gewährleistet werden kann«, so der Apotheker.

Nejatian bezeichnet die aktuelle Situation als sozialen Sprengstoff: »Eine gute Pflege ist für das Funktionieren der Demokratie elementar. Wenn die Versorgung einbricht, dann ist es eine zusätzliche Krise für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.« Die Apothekerschaft müsse ihren Teil dazu beitragen,  einen Kollaps des Systems zu verhindern. Schon in der Pandemie hätten die Apotheken bewiesen, dass sie resilient und krisenfest seien. 

 

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