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Grippeimpfstoff

»Wir werden den Engpass organisieren«

Der Grippeimpfstoff ist in einzelnen Regionen Deutschlands derzeit so knapp, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nun Maßnahmen ergreift, um die Beschaffung zu erleichtern. Entsprechende Regelungen wird er am kommenden Freitag im Bundesgesetzblatt veröffentlichen. »Wir brauchen jetzt kollegiale Hilfe der Apotheker untereinander«, sagte Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbands (ThAV), der Pharmazeutischen Zeitung. 
Christina Hohmann-Jeddi
22.11.2018
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»Wir werden den Engpass organisieren und hoffen, dass es nicht zu einer Grippewelle mit stark ansteigenden Impfbedarf kommt.« Derzeit habe keiner der Hersteller des tetravalenten Grippeimpfstoffs noch Ware vorrätig, alles sei ausgeliefert. In Thüringen hätten nur noch 10 bis 15 Prozent der Apotheken Impfdosen auf Lager, berichtete Fink. Auch aus Niedersachsen, Bremen, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt seien Versorgungsengpässe bekannt. Dass einzelne Bundesländer besser dastehen als andere, liege an den unterschiedlichen Vorbestellsystemen und Vertragskonstrukten in den Ländern, berichtete der ThAV-Vorsitzende.

In Thüringen hätten Apotheker in diesem Jahr nicht vorbestellen können, ohne ein finanzielles Risiko einzugehen. Der Grund hierfür war, dass die Krankenkassen den Ärzten ein wirtschaftliches Verordnen empfohlen hatten, die Preise für die Impfstoffe aber erst im August bekannt wurden – »viel zu spät für Vorbestellungen«, so Fink. »Wir brauchen früher eine verbindliche Preiszusage seitens der Hersteller, um die Wirtschaftlichkeit berücksichtigen und entsprechend bestellen zu können.«

Zudem forderte Fink für die Zukunft klare Vorbestellregelungen für Apotheker in allen Bundesländern sowie einen Puffer bei der Produktionsmenge von Grippeimpfstoffen. In den kommenden Jahren solle einfach mehr Impfstoff hergestellt werden. Mit 15,7 Millionen vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) freigegebenen Impfdosen liege man eine Million Dosen über der Zahl, die in der vergangenen Saison verimpft wurde, erklärte Spahn jetzt gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Damit liegt man aber auch unter den Mengen, die in den vergangenen drei Grippesaisons hergestellt wurden: In 2017/2018 wurden 17,9 Millionen, 2016/2017 etwa 16 Millionen und 2015/2016 fast 20,9 Millionen Dosen freigegeben.

Für Deutschland wurde fast ausschließlich tetravalenter Impfstoff produziert, sagte PEI-Sprecherin Susanne Stöcker auf Anfrage der PZ. Die Hersteller von Fluenz® und Influvac® hätten ihre Produktion dieses Jahr auf tetravalent umgestellt. Als trivalente Vakzine sei nur Fluad ® für den deutschen Markt freigegeben worden, so Stöcker. Dieser Impfstoff enthält einen Wirkverstärker und ist speziell für Personen über 65 Jahre zugelassen. 

»Wir werden jetzt als Apotheker alles tun, um die Versorgung mit Grippeimpfstoff aufrecht zu erhalten«, sagte der ThAV-Vorsitzende. »Wenn jetzt nicht mehr viele Menschen zum Impfen kommen, könnten wir mit einem blauen Auge davonkommen.«

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