| Melanie Höhn |
| 25.03.2026 13:00 Uhr |
Ein weiteres großes Ziel sei zudem, die Apothekerschaft in der Diskussion um ein Primärversorgungssystem zu verankern. Bei diesem Thema hätte sie sich gewünscht, schon früher anzufangen. Im Moment sei wichtig, dass man sich positioniere, um kommunikativ »vor die Welle« zu kommen. »Wir sind auf einem guten Weg«, sagte sie. Auch beim Thema Frauengesundheit müsse die Apotheke positioniert werden.
Des Weiteren berichtete Lucas von einem Städtekammern-Workshop, bei dem sich Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Großstadtkammern ausgetauscht hatten. Hintergrund sei, dass urbane Versorgungsrealitäten und Herausforderungen sich deutlich von denen in Flächenländern unterscheiden würden, insbesondere im Hinblick auf die Notfallversorgung. Ein zentraler Schwerpunkt des Workshops war die Beratungsqualität, weil in Großstädten auch der Konkurrenzdruck in Großstädten sehr groß sei. Großstadt-Apotheken müssten sich deshalb anders positionieren als eine gut etablierte und bekannte Landapotheke, die keine Alternative in Reich- oder Laufweite habe, so Lucas.
In diesem Zusammenhang spielte das sogenannte WWHAM-Konzept eine wichtige Rolle, also ein strukturierter Ansatz zur Beratung in der Selbstmedikation. »Aus Sicht unserer Kammer ist das Konzept ein wesentliches Instrument zur Qualitätssicherung. Es unterstützt die Apothekenteams dabei, durch gezielte und strukturierte Nachfragen arzneimittelbezogene Risiken frühzeitig zu erkennen und eine sichere Arzneimittelabgabe zu realisieren«, sagte Lucas.
Im Workshop setze man sich dafür ein, WWHAM nicht nur als methodisches Hilfsmittel, sondern als festen Bestandteil eines modernen und überprüfbaren Qualitätsverständnisses in Apotheken weiter zu etablieren. Die Resonanz der anderen Kammern fiel durchweg positiv aus, und es besteht großes Interesse an einer gemeinsamen Weiterentwicklung.
Mit Blick auf die politische Arbeit kündigte Ina Lucas ein weiteres Treffen mit dem Regierenden Bürgermeister an, das für April geplant ist. Ziel dieses Gesprächs ist es, die Rolle der Apotheken als unverzichtbaren Bestandteil der Daseinsvorsorge deutlich zu machen und zentrale Herausforderungen wie wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Fachkräftesicherung und Lieferengpässe auf politischer Ebene zu adressieren. Es gehe darum, die Apothekerschaft in Berlin als verlässlichen und systemrelevanten Partner im Gesundheitswesen sichtbar zu positionieren.
Ein weiteres wichtiges Feld sei das Engagement der Kammer im Bereich der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV). Hier setzt sich die Kammer dafür ein, Apotheken stärker in den Beirat der psychosozialen Notfallversorgung einzubinden. »Apotheken sind häufig erste Anlaufstellen für Menschen in belastenden oder krisenhaften Lebenssituationen und diese besondere Vertrauensstellung bietet aus meiner Sicht auch eine Chance, Betroffene frühzeitig zu erreichen, zu stabilisieren und gegebenenfalls an weiterführende Hilfsangebote auch zu vermitteln«, so Lucas. Ziel sei es, diese Rolle künftig systematisch zu stärken und Apotheken enger mit bestehenden psychosozialen Versorgungsstrukturen zu vernetzen.
Positiv hob die Kammerpräsidentin zudem die Zusammenarbeit mit dem Verband der Freien Berufe (VfB) hervor, der sich aktuell insbesondere für die Entbürokratisierung der Freien Berufe einsetze. »Wir sind auf einem guten Weg, gemeinsam hier wirksam zu werden«, erklärte Lucas. Ein weniger erfreuliches Thema, das derzeit mit dem VfB berarbeitet werde, sei die Ausbildungsplatzumlage. In einem breiten Verbändebündnis würden sich die Beteiligten gemeinsam engagieren, um dieser Umlage eine Absage zu erteilen; ein entsprechendes Schreiben an politische Entscheidungsträger sei vorbereitet worden, das jetzt an die entsprechenden Abgeordneten verschickt werde.
»Es ist maßgeblich, dass wir uns hier engagieren, dass wir gemeinsam unsere Freiberuflichkeit stärken und stützen, wo immer wir können«, führte Lucas aus. »Dass wir tragfähige, solidarische Lösungen gemeinsam entwickeln, die auch die Ausbildungssituation nachhaltig verbessern und die Attraktivität pharmazeutischer Berufe auch langfristig sichern.«