| Melanie Höhn |
| 25.03.2026 13:00 Uhr |
Ina Lucas ist Präsidentin der Apothekerkammer Berlin sowie ABDA-Vizepräsidentin. / © PZ/Höhn
Lucas betonte die große thematische Bandbreite ihrer aktuellen Arbeit. Die Vielzahl an Terminen und Initiativen reiche von Fragen der Krisenresilienz über die Weiterentwicklung der Beratungsqualität bis hin zu berufspolitischen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Im Zentrum stehe dabei das klare Ziel, die Apothekerschaft konsequent als integralen Bestandteil eines sicheren, qualitätsorientierten und patientenzentrierten Gesundheitssystems zu positionieren.
»Wir müssen sichtbarer werden, das ist unsere Pflicht. Wir müssen klar machen, was die Apothekerschaft imstande ist zu leisten. Jetzt ist die Zeit, die Transformation des Gesundheitswesens schreitet voran«, erklärte Lucas vor den Delegierten.
Der Apothekenprotest sei »ordentlich über die Bühne gebracht worden« und habe ein gutes Zeichen gesetzt, »vor allem aber auch ein Zeichen in den Berufsstand hinein, dass wir, wenn es ernst wird, auch gemeinsam gehen«, so Lucas. »Wir müssen uns jetzt auf unser Bauchgefühl verlassen und dann werden wir sehen, wo wir unterm Strich rauskommen. Ich glaube, es war auch rückblickend eine gute Sache, dass wir zusammengestanden haben.«
Die Apothekenreform und der politische Prozess sei der absolute Schwerpunkt der vergangenen Wochen und Monate gewesen. Die Arbeit aller Beteiligten bezeichnete Lucas als »Kraftakt«. Das Gesetz sei nun in den letzten Zügen.
»Umso tiefer man eintaucht, umso klarer wird, dass am Ende eine Handvoll Leute dieses Apothekengesetz verhandelt«, sagte sie und nannte die Bundestagsabgeordneten Stephan Pilsinger (CSU), Simone Borchardt (CDU), Tanja Machalet (SPD) und Christos Pantazis (SPD). »Wir haben alle unsere Kräfte gebündelt und versucht, sie mit den notwendigen Informationen zu versorgen«, so Lucas, es habe außerdem offizielle Gespräche und zahlreiche Veranstaltungsbesuche gegeben.
Ein wichtiger Termin sei für Lucas Anfang März die KRITIS-Fachtagung in Berlin gewesen. »Apotheken wurden dort als Bestandteil resilienter Versorgungsstrukturen mitgebracht«, was für Lucas sehr erfreulich gewesen sei. »Wesentlicher Schwerpunkt war, sich mit der Widerstandsfähigkeit des Gesundheitswesens in Krisen- und Ausnahmesituationen zu befassen. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion habe ich die Perspektive der Apotheken eingebracht und ihre zentrale Rolle mit anderen diskutiert«, erklärte die Kammerpräsidentin.
Apotheken würden als niedrigschwellige und flächendeckende Versorgungsinstanz gerade in Krisenszenarien, etwa bei Lieferengpässen, Pandemien oder sicherheitspolitischen Katastrophenlagen, wesentlich zur Sicherstellung der Arzneimittelversorgung beitragen und die ambulanten Strukturen stabilisieren. Lucas machte deutlich, dass diese Rolle künftig noch stärker strukturell verankert werden müsse, etwa durch eine verbindliche Einbindung in Notfallpläne, Logistikstrategien und Krisenkonzepte.
Ein weiteres großes Ziel sei zudem, die Apothekerschaft in der Diskussion um ein Primärversorgungssystem zu verankern. Bei diesem Thema hätte sie sich gewünscht, schon früher anzufangen. Im Moment sei wichtig, dass man sich positioniere, um kommunikativ »vor die Welle« zu kommen. »Wir sind auf einem guten Weg«, sagte sie. Auch beim Thema Frauengesundheit müsse die Apotheke positioniert werden.
Des Weiteren berichtete Lucas von einem Städtekammern-Workshop, bei dem sich Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Großstadtkammern ausgetauscht hatten. Hintergrund sei, dass urbane Versorgungsrealitäten und Herausforderungen sich deutlich von denen in Flächenländern unterscheiden würden, insbesondere im Hinblick auf die Notfallversorgung. Ein zentraler Schwerpunkt des Workshops war die Beratungsqualität, weil in Großstädten auch der Konkurrenzdruck in Großstädten sehr groß sei. Großstadt-Apotheken müssten sich deshalb anders positionieren als eine gut etablierte und bekannte Landapotheke, die keine Alternative in Reich- oder Laufweite habe, so Lucas.
In diesem Zusammenhang spielte das sogenannte WWHAM-Konzept eine wichtige Rolle, also ein strukturierter Ansatz zur Beratung in der Selbstmedikation. »Aus Sicht unserer Kammer ist das Konzept ein wesentliches Instrument zur Qualitätssicherung. Es unterstützt die Apothekenteams dabei, durch gezielte und strukturierte Nachfragen arzneimittelbezogene Risiken frühzeitig zu erkennen und eine sichere Arzneimittelabgabe zu realisieren«, sagte Lucas.
Im Workshop setze man sich dafür ein, WWHAM nicht nur als methodisches Hilfsmittel, sondern als festen Bestandteil eines modernen und überprüfbaren Qualitätsverständnisses in Apotheken weiter zu etablieren. Die Resonanz der anderen Kammern fiel durchweg positiv aus, und es besteht großes Interesse an einer gemeinsamen Weiterentwicklung.
Mit Blick auf die politische Arbeit kündigte Ina Lucas ein weiteres Treffen mit dem Regierenden Bürgermeister an, das für April geplant ist. Ziel dieses Gesprächs ist es, die Rolle der Apotheken als unverzichtbaren Bestandteil der Daseinsvorsorge deutlich zu machen und zentrale Herausforderungen wie wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Fachkräftesicherung und Lieferengpässe auf politischer Ebene zu adressieren. Es gehe darum, die Apothekerschaft in Berlin als verlässlichen und systemrelevanten Partner im Gesundheitswesen sichtbar zu positionieren.
Ein weiteres wichtiges Feld sei das Engagement der Kammer im Bereich der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV). Hier setzt sich die Kammer dafür ein, Apotheken stärker in den Beirat der psychosozialen Notfallversorgung einzubinden. »Apotheken sind häufig erste Anlaufstellen für Menschen in belastenden oder krisenhaften Lebenssituationen und diese besondere Vertrauensstellung bietet aus meiner Sicht auch eine Chance, Betroffene frühzeitig zu erreichen, zu stabilisieren und gegebenenfalls an weiterführende Hilfsangebote auch zu vermitteln«, so Lucas. Ziel sei es, diese Rolle künftig systematisch zu stärken und Apotheken enger mit bestehenden psychosozialen Versorgungsstrukturen zu vernetzen.
Positiv hob die Kammerpräsidentin zudem die Zusammenarbeit mit dem Verband der Freien Berufe (VfB) hervor, der sich aktuell insbesondere für die Entbürokratisierung der Freien Berufe einsetze. »Wir sind auf einem guten Weg, gemeinsam hier wirksam zu werden«, erklärte Lucas. Ein weniger erfreuliches Thema, das derzeit mit dem VfB berarbeitet werde, sei die Ausbildungsplatzumlage. In einem breiten Verbändebündnis würden sich die Beteiligten gemeinsam engagieren, um dieser Umlage eine Absage zu erteilen; ein entsprechendes Schreiben an politische Entscheidungsträger sei vorbereitet worden, das jetzt an die entsprechenden Abgeordneten verschickt werde.
»Es ist maßgeblich, dass wir uns hier engagieren, dass wir gemeinsam unsere Freiberuflichkeit stärken und stützen, wo immer wir können«, führte Lucas aus. »Dass wir tragfähige, solidarische Lösungen gemeinsam entwickeln, die auch die Ausbildungssituation nachhaltig verbessern und die Attraktivität pharmazeutischer Berufe auch langfristig sichern.«