| Lukas Brockfeld |
| 22.10.2026 15:30 Uhr |
Belén Garijo (4. von links) beim symbolischen ersten Spatenstich für das Insulinwerk in Frankfurt. / © Sanofi
Der französische Pharmakonzern Sanofi baut aktuell für zwei Milliarden Euro eine Insulinfabrik in Frankfurt. Gleichzeitig stoppen zahlreiche andere große Pharmakonzerne ihre Investitionen in Deutschland. Jetzt hat die Vorstandsvorsitzende von Sanofi, Belén Garijo, im Interview mit der FAZ ausführlich den Kurs ihres Unternehmens erläutert.
Angesprochen auf das GKV-Spargesetz und die geplante Erhöhung der Herstellerabschläge erklärte Garijo, dass Sanofi bereits vor zwei Jahren mit der Planung der Fabrik in Frankfurt begonnen habe. Aufgrund des Spargesetzes habe man das Gespräch mit der Politik gesucht. »Wir haben selbstverständlich mit der Bundesregierung gesprochen und ihr gesagt, dass wir mit den geplanten Kostendämpfungsmaßnahmen unzufrieden sind. Meine Philosophie ist aber, mit der Regierung nach Lösungen zu suchen und mit ihr an einem Tisch zu sitzen, statt sie nur zu kritisieren. Mir geht es darum, industrielle Investitionen in Europa zu fördern«, so die Sanofi-Chefin im FAZ-Interview.
Die geplante Standortklausel bezeichnete Garijo als »guten Anfang«. Die Klausel befreit Unternehmen unter bestimmten Bedingungen vom erhöhten Herstellerabschlag. »Aber uns ist noch unklar, wie diese umgesetzt werden soll. Darüber werden wir mit Berlin sprechen. Die Regierung hat die Pharmaindustrie als strategisch relevante Industrie anerkannt. Ich hoffe, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dieser Einstufung und der Schaffung von Rahmenbedingungen, die uns Erfolg ermöglichen, gibt«, so die Vorstandsvorsitzende.
Aktuell verlagern viele Pharmaunternehmen Produktionskapazitäten nach China oder in die USA. Auch Sanofi baut ein Insulinwerk in China, das eng mit der Niederlassung in Frankfurt zusammenarbeiten soll. »Angesichts der aktuellen geopolitischen Bedingungen, die Handelsdynamiken beeinflussen können, ist eine Lieferkette wichtig, die es uns erlaubt, näher bei Patienten zu sein und Lieferfähigkeit sicherzustellen. Deshalb müssen wir regional investieren«, sagte Garijo zur FAZ. Gleichzeitig äußerte sie den Wunsch, dass Europa ein Ökosystem aufbaut, das die Verteidigung des Industriestandortes ermöglicht.
In naher Zukunft läuft der Patentschutz für das wichtige Neurodermitis-Medikament Dupixent aus. Sanofi entwickelt daher gerade eine Strategie für die Jahre ab 2030. Laut Belén Garijo konzentriert sich das Pharmaunternehmen dabei auf die Bereiche, in denen es schon heute führend ist. »Das sind Immunologie mit Dermatologie und Atemwegserkrankungen, seltene Erkrankungen sowie Impfstoffe«, so die Vorstandsvorsitzende. »Wir fahren damit fort, Forschungsprogramme in der Immunologie in der frühen Phase voranzubringen. Ein Beispiel ist die Partnerschaft mit Regeneron, die wir erweitern. Wie kürzlich angekündigt, wollen wir vier Antikörper-Wirkstoffe zusammen weiterentwickeln und vermarkten.«