| Melanie Höhn |
| 21.10.2026 15:00 Uhr |
65 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Menschen länger arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt im Alter finanzieren zu können. / © Imago/Wolfgang Maria Weber
Das Thema Longevity ist in aller Munde, eine Milliardenindustrie rund um ein langes und vor allem gesundes Leben boomt. Vor allem geht es unter dem Begriff »Healthspan« um die Verlängerung des Zeitraums, in dem eine Person innerhalb ihrer Lebensspanne gesund ist. Auch für Apotheken ist das Thema relevant, denn sie sind wichtige Anlaufstellen für Gesundheitsfragen und können Menschen dabei unterstützen, ihre Gesundheit langfristig zu erhalten und gesund zu altern.
Die steigende Lebenserwartung ist längst im Bewusstsein der Deutschen angekommen. Der YouGov-Umfrage zufolge wissen 89 Prozent der Befragten, dass Menschen heute länger leben als frühere Generationen. Der Wunsch nach einem langen Leben ist deutlich ausgeprägt: Im Durchschnitt möchten die Umfrage-Teilnehmer 91,2 Jahre alt werden. Vorausgesetzt, sie fühlen sich dabei weitgehend gesund. 23 Prozent würden sogar gerne 100 Jahre oder älter werden. Bei der Einschätzung der eigenen Lebenserwartung rechnet die Bevölkerung allerdings deutlich vorsichtiger: Im Durchschnitt gehen die Befragten von 82 Jahren aus.
Die Studie »Life100+« im Auftrag des Versicheres Canada Life ist Bestandteil eines mehrjährigen, international angelegten Research-Programms der Canada Life-Gruppe zum Thema Longevity.
Die Umfrage-Teilnehmer wurden auch dazu befragt, wie Deutschland insgesamt auf eine Gesellschaft mit vielen 90- und 100-Jährigen vorbereitet ist. Mit dem Urteil »eher schlecht« oder »sehr schlecht« stellten ganze 70 Prozent dem Land kein gutes Zeugnis aus.
Besonders kritisch fällt die Bewertung in zentralen Lebensbereichen aus: 71 Prozent der Befragten bewerten Deutschlands Vorbereitung in der Pflege als »eher schlecht« oder »sehr schlecht«. Bei der finanziellen Absicherung sind es 70 Prozent, beim altersgerechten Wohnen und bei den Arbeitsmarktchancen für ältere Menschen jeweils 62 Prozent. Auch bei sozialen Kontakten und dem Schutz vor Einsamkeit überwiegt mit 61 Prozent die Skepsis. Bei flexiblen Übergängen in den Ruhestand bewerten 54 Prozent Deutschlands Vorbereitung als »eher schlecht« oder »sehr schlecht«. Vergleichsweise am besten schneidet die medizinische Versorgung ab - doch auch hier sehen 42 Prozent Defizite.
Mit einem längeren Leben wächst laut der Studie auch der finanzielle Planungsbedarf: 65 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Menschen länger arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt im Alter finanzieren zu können. 64 Prozent rechnen damit, mögliche Pflegekosten im späteren Leben stärker berücksichtigen zu müssen, auch mit Blick darauf, wie viel Vermögen sie einmal weitergeben können. 53 Prozent erwarten, ihre Ruhestandsplanung regelmäßig überprüfen zu müssen, 49 Prozent ihre Geldanlage. Zudem sehen 47 Prozent das Risiko, dass ihnen im Ruhestand das Geld ausgehen könnte.