| Alexander Müller |
| 23.06.2026 12:15 Uhr |
Überhaupt sollen im ambulanten Bereich »Navigation und Koordination« verbessert werden, um schonender mit den verfügbaren Ressourcen umzugehen. Warken setzt auf eine starke Rolle der Haus- und Kinderärzte. Auch die digitale oder telefonische Erstbedarfseinschätzung soll eine Rolle spielen in der neu geordneten Primärversorgung.
Dabei werde auch das Gesetz für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen (GeDIG) eine wichtige Rolle spielen, das sich derzeit in der Ressortabstimmung befindet. Idealerweise kann der Patient selbst herausfinden, wo im System er am besten aufgehoben ist.
Bei der Organisation des neuen Primärversorgungssystems, das bewusst nicht mehr Primärarztsystem heißt, sollen die Apotheken eine wichtige Rolle spielen. »Wir haben die Apotheken mehr ins Boot geholt«, so Warken. Man müsse von Nachbarländern lernen, andere Berufsgruppen mit einzubinden. »Wir müssen zu einer anderen Denke kommen«, so Warken. »Es muss nicht alles direkt vom Arzt gemacht werden.«
Insgesamt soll die Prävention ernsthafter als bisher konkrete Veränderungen bringen, kündigte Warken an. Beispielhaft nannte sie maßgeschneiderte Präventionsempfehlungen von den Krankenkassen direkt auf dem Smartphone. Die Volltextsuche in der elektronischen Patientenakte (ePA) soll den Informationsfluss verbessern und Krankenkassen künftig mehr Angebote über die ePA bereitstellen.
Das nächste große Reformvorhaben ist das Gesundheitssicherstellungsgesetz. Laut Warken soll im Sommer ein Referentenentwurf vorliegen. Ziel ist, dass das Gesundheitssystem resilienter für den Krisenfall gemacht wird. Dabei werden heute regelmäßig nicht nur Naturkatastrophen, sondern auch militärische Konflikte mitgedacht. In diese Richtung hat auch Warkens niederländische Amtskollegin Sophie Hermans beim HSK den Umbau des Gesundheitssystems in ihrem Land beschrieben.