| Melanie Höhn |
| 24.09.2026 16:20 Uhr |
Diskutierten über die Rolle der KI im Gesundheitswesen (v. l.): Kai Swoboda (IKK Classic), Manuela Pintarelli-Rauschenbach (Spitzenverband der Heilmittelverbände), ABDA-Präsident Thomas Preis, Phillip Stachwitz (Kassenärztliche Bundesvereinigung) und Roland Engehausen (Bayerische Krankenhausgesellschaft). / © PZ/Melanie Höhn
ABDA-Präsident Thomas Preis sieht künstliche Intelligenz (KI) als wichtiges Zukunftsinstrument für das Gesundheitswesen. Doch sie dürfe nicht unkontrolliert eingesetzt werden und müsse »gebändigt« und durch geeignete Regeln abgesichert werden, betonte er. Als Vergleich führte er Technologien wie Feuer, Elektrizität, Kernkraft und das Automobil an: Diese hätten große Fortschritte ermöglicht, aber nur funktioniert, weil ihre Risiken reguliert und eingehegt worden seien. Für KI gelte das im Gesundheitswesen umso mehr, weil hier sensible Gesundheitsdaten verarbeitet würden und es sich um einen »Hochrisikoprozess« handle.
Für die kommenden zwölf Monate sieht Preis den größten praktischen Nutzen von KI zunächst nicht unmittelbar in der Behandlung von Patientinnen und Patienten, sondern in administrativen und organisatorischen Bereichen in der Apotheke. »Alles, was mit Patienten zu tun hat, ist noch in der Entwicklungsphase«, sagte er. Sowohl in Deutschland als auch auf EU-Ebene gebe es Bestrebungen, diesen Bereich sicher zu gestalten.
In den Apotheken sieht Preis insbesondere beim Management des Warenlagers großes Potenzial für die Nutzung von KI, womit Zeit und Kosten gespart werden könnten. Auch kaufmännische Prozesse wie Rechnungswesen und die Personalplanung im Backoffice seien geeignete Einsatzfelder. KI könne angesichts zusätzlicher Aufgaben durch die Apothekenreform Freiräume für die Apothekerschaft schaffen, um sich Patientinnen und Patienten zu widmen und mehr Beratungsleistungen zu übernehmen.
Auch beim Medikationsmanagement sieht Preis in Zukunft erheblichen Bedarf an KI-Unterstützung, doch er warnt: »Die Endverantwortung hat immer der Heilberufler, der Apotheker oder eben bei ärztlichen KI-Anwendungen der Arzt.«
Zudem erklärte Preis, dass angesichts der wachsenden Komplexität von Therapie und Beratung und der steigenden Anzahl von Arzneimitteln KI notwendig sei: »Wir brauchen KI, um die Menschen sicher versorgen zu können«.
Preis warnte zudem vor Gesundheitsinformationen aus unzuverlässigen Quellen im Internet und in den sozialen Medien. Patientinnen und Patienten könnten dadurch in die Irre geführt werden. Durch KI und digitale Informationsangebote würden die Fragen der Patientinnen und Patienten nicht zwangsläufig weniger werden. Gerade die Apotheke vor Ort habe deshalb eine besondere Rolle: »Wir müssen ansprechbar sein, denn sonst werden wir ganz schnell die Kontrolle über Gesundheitsinformationen im Internet verlieren«, so Preis. »KI, Prompts und Digitalisierung ersetzen nicht die persönliche Zuwendung. Die wird größtenteils in der Apotheke stattfinden.«