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Thomas Preis
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»Wir brauchen KI, um Menschen sicher versorgen zu können«

Beim »AI in Healthcare Future Forum« von Google diskutierte heute ABDA-Präsident Thomas Preis über die Chancen und Grenzen des KI-Einsatzes im Gesundheitswesen mit Akteuren der Versorgungslandschaft.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 24.09.2026  16:20 Uhr

ABDA-Präsident Thomas Preis sieht künstliche Intelligenz (KI) als wichtiges Zukunftsinstrument für das Gesundheitswesen. Doch sie dürfe nicht unkontrolliert eingesetzt werden und müsse »gebändigt« und durch geeignete Regeln abgesichert werden, betonte er. Als Vergleich führte er Technologien wie Feuer, Elektrizität, Kernkraft und das Automobil an: Diese hätten große Fortschritte ermöglicht, aber nur funktioniert, weil ihre Risiken reguliert und eingehegt worden seien. Für KI gelte das im Gesundheitswesen umso mehr, weil hier sensible Gesundheitsdaten verarbeitet würden und es sich um einen »Hochrisikoprozess« handle.

Für die kommenden zwölf Monate sieht Preis den größten praktischen Nutzen von KI zunächst nicht unmittelbar in der Behandlung von Patientinnen und Patienten, sondern in administrativen und organisatorischen Bereichen in der Apotheke. »Alles, was mit Patienten zu tun hat, ist noch in der Entwicklungsphase«, sagte er. Sowohl in Deutschland als auch auf EU-Ebene gebe es Bestrebungen, diesen Bereich sicher zu gestalten.

Einsatzfelder: Personalplanung und Rechnungswesen

In den Apotheken sieht Preis insbesondere beim Management des Warenlagers großes Potenzial für die Nutzung von KI, womit Zeit und Kosten gespart werden könnten. Auch kaufmännische Prozesse wie Rechnungswesen und die Personalplanung im Backoffice seien geeignete Einsatzfelder. KI könne angesichts zusätzlicher Aufgaben durch die Apothekenreform Freiräume für die Apothekerschaft schaffen, um sich Patientinnen und Patienten zu widmen und mehr Beratungsleistungen zu übernehmen.

Auch beim Medikationsmanagement sieht Preis in Zukunft erheblichen Bedarf an KI-Unterstützung, doch er warnt: »Die Endverantwortung hat immer der Heilberufler, der Apotheker oder eben bei ärztlichen KI-Anwendungen der Arzt.«

Zudem erklärte Preis, dass angesichts der wachsenden Komplexität von Therapie und Beratung und der steigenden Anzahl von Arzneimitteln KI notwendig sei: »Wir brauchen KI, um die Menschen sicher versorgen zu können«.

Preis warnte zudem vor Gesundheitsinformationen aus unzuverlässigen Quellen im Internet und in den sozialen Medien. Patientinnen und Patienten könnten dadurch in die Irre geführt werden. Durch KI und digitale Informationsangebote würden die Fragen der Patientinnen und Patienten nicht zwangsläufig weniger werden. Gerade die Apotheke vor Ort habe deshalb eine besondere Rolle: »Wir müssen ansprechbar sein, denn sonst werden wir ganz schnell die Kontrolle über Gesundheitsinformationen im Internet verlieren«, so Preis. »KI, Prompts und Digitalisierung ersetzen nicht die persönliche Zuwendung. Die wird größtenteils in der Apotheke stattfinden.«

Vernetzung und Patientensteuerung

Kai Swoboda, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der IKK Classic, sieht wie Thomas Preis den kurzfristigen Einsatz von KI vor allem bei administrativen Aufgaben. Dabei sollen Mitarbeitende weiterhin die Verantwortung behalten, zugleich aber Zeit für anspruchsvollere Aufgaben gewinnen: »Unsere Mitarbeitenden behalten dabei immer die Entscheidungshoheit, gewinnen aber Zeit.« Langfristig geht es ihm darum, Versorgungsdaten mithilfe von KI besser zu nutzen, um gesundheitliche Risiken rechtzeitig oder früher zu erkennen, früher zu intervenieren und insgesamt Krankheitsgeschehen in Deutschland zu reduzieren.

Auch Manuela Pintarelli-Rauschenbach, Vorsitzende des Spitzenverbands der Heilmittelverbände, sieht in KI vor allem eine Möglichkeit, angesichts von Fachkräftemangel und hoher Bürokratie mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten zu schaffen. KI könne administrative Aufgaben übernehmen, etwa Telefonate, Terminplanung oder Rezeptverwaltung. Für die Versorgung seien dabei insbesondere bessere Vernetzung und Patientensteuerung wichtig.

Der Leiter des Stabsbereichs Digitalisierung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Philipp Stachwitz, betonte, dass KI bereits heute in der Medizin eingesetzt werde, etwa in der Bildgebung, wo sie in den meisten radiologischen Praxen zum Einsatz komme. Dabei bleibe die Kontrolle durch die Ärztin oder den Arzt entscheidend. Als konkretes Anwendungsfeld an der Schnittstelle zwischen Administration und Medizin nennt er sogenannte Scribe-Systeme, die Gespräche zwischen Ärztinnen und Ärzten und ihren Patientinnen und Patienten erfassen und anschließend bei der Dokumentation unterstützen.

Roland Engehausen, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, sieht im Krankenhaus kurzfristig großes Potenzial darin, die für die Abrechnung erforderliche Dokumentation KI-gestützt zusammenzuführen. Darüber hinaus könnten KI-Systeme medizinische Leitlinien und Nachschlagewerke schneller zugänglich machen. Langfristig sieht er zudem eine neue Aufgabe für Verbände darin, Wissen zu standardisieren und für die Nutzung in KI-Systemen aufzubereiten.

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