Pharmazeutische Zeitung online
Impfen

Windpocken-Vakzine schützt auch vor Gürtelrose

Eine Studie mit mehr als 6 Millionen Kindern hat gezeigt, dass die Impfung gegen Windpocken zusätzlich die Wahrscheinlichkeit einer schmerzhaften Gürtelrose-Erkrankung deutlich senkt. Die neuen Daten untermauern die Vorteile der Impfung.
PZ/Aponet (zou)
14.06.2019
Datenschutz bei der PZ

Gürtelrose, auch Herpes zoster genannt, wird durch dieselben Viren hervorgerufen, die bei der Erstinfektion Windpocken verursachen, sogenannte Varizella-zoster-Viren, die zur Gruppe der Herpesviren gehören. Forscher des Kaiser Permanente Center for Health Research in den USA wollten daher herausfinden, ob eine Impfung gegen Windpocken auch vor Gürtelrose schützt. Für die Studie wurden Daten der Jahre 2003 bis 2014 aus elektronischen Gesundheitsakten von mehr als 6,3 Millionen Kindern analysiert. Etwa die Hälfte der Kinder wurde während des Untersuchungszeitraums geimpft.

Es zeigte sich: Kinder, die in den USA gegen Windpocken geimpft wurden, hatten tatsächlich ein um 78 Prozent niedrigeres Risiko für Herpes zoster als ungeimpfte Kindern. Im Verlauf der Studie, die zwölf Jahre dauerte, sank das Auftreten von Gürtelrose bei Kindern insgesamt um 72 Prozent, da die Anzahl der geimpften Kinder anstieg. »Die höchsten Infektionsraten traten in den Anfangsjahren der Studie auf, als es einen höheren Anteil an Kindern gab, insbesondere ältere Kinder, die den Windpocken-Impfstoff nicht erhalten hatten«, sagte Studienautorin Dr. Sheila Weinmann. Der Rückgang könnte auch mit der Einführung der Auffrischimpfung ab 2007 in den USA zusammenhängen, da das Auftreten auch bei den Kindern, die beide nötigen Impfungen gegen Windpocken erhalten hatten, viel geringer war als bei denen, die nur einmal geimpft wurden.

Bei Kindern kommt Gürtelrose nur selten vor, und die Symptome sind meist weniger schwerwiegend als bei Erwachsenen, die in der Regel an schmerzhaften, brennenden und blasigen Hautausschlägen leiden. Typischerweise tritt Herpes zoster als Zweitmanifestation einer Windpocken-Infektion im Kindesalter erst im Alter zwischen 50 und 70 Jahren auf.

Da es sich bei der Windpocken-Vakzine um eine Lebendimpfung handelt, besteht grundsätzlich das Risiko einer Reaktivierung der abgeschwächten Viren in Form einer Gürtelrose. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei aber geringer als bei einer Infektion mit dem Wildtyp-Virus, schreibt das Robert-Koch-Institut auf seiner Website. Falls es dazu kommt, ist der Verlauf meist leichter. Die neuen Daten untermauern damit die bisherigen Erkenntnisse, auch wenn die Datenlage für Erwachsene, die als Kinder gegen Windpocken geimpft wurden, naturgemäß noch dünn ist – die Windpocken-Impfung wurde erst 2004 von der Ständigen Impfkommission (STIKO) in ihre Empfehlungen aufgenommen; zunächst mit einer einmaligen Impfung. Seit 2009 werden zwei Impfungen im Abstand von mindestens vier Wochen empfohlen.

Mehr von Avoxa