| Sven Siebenand |
| 25.08.2026 15:00 Uhr |
Ob Menschen ab 75 Jahren, die bislang keinen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine andere atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten, von einer dauerhaften Einnahme zur Primärprävention mit einem Statin profitieren, ist nicht abschließend geklärt. / © Getty Images/Milan Markovic
Statine gehören zu den am häufigsten eingesetzten Medikamenten zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ob Menschen ab 75 Jahren, die bislang keinen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine andere atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten, von einer dauerhaften Einnahme zur Primärprävention profitieren, ist allerdings nicht abschließend geklärt.
Eine randomisierte Studie, deren Ergebnisse im Fachjournal »The Lancet Healthy Longevity« veröffentlicht wurden, liefert nun neue Daten: Bei älteren Menschen, die bereits Statine zur Primärprävention einnahmen, war das Absetzen hinsichtlich der Gesamtsterblichkeit innerhalb von drei Jahren der weiteren Einnahme nicht unterlegen.
Für die SAGA/SITE-Studie untersuchte ein Team um Professor Dr. Fabrice Bonnet vom Universitätsklinikum Bordeaux Menschen im Alter von mindestens 75 Jahren, die seit mindestens einem Jahr ein Statin zur Primärprävention einnahmen und keine atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung in ihrer Vorgeschichte hatten. Die Untersuchung war als multizentrische, offene und randomisierte Nichtunterlegenheitsstudie angelegt und wurde in 297 allgemeinmedizinischen Praxen in Frankreich durchgeführt. Insgesamt gingen die Daten von 1160 Personen in die Analyse ein. Die Teilnehmenden wurden nach dem Zufallsprinzip einer Gruppe zugeteilt, die ihre Statine weiter einnahm, oder einer Gruppe, die die Behandlung beendete. Die Nachbeobachtung dauerte drei Jahre.
Primärer Endpunkt war die Gesamtsterblichkeit nach 36 Monaten. In der Gruppe, die das Statin weiter eingenommen hatte, starben 48 von 604 Personen (7,9 Prozent), in der anderen Gruppe waren es 35 von 484 Personen (7,2 Prozent). Die Studie ergab somit keinen Hinweis darauf, dass das Absetzen bei dieser Patientengruppe innerhalb von drei Jahren zu einer höheren Gesamtsterblichkeit führte.
Auch bei anderen untersuchten Parametern ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Unerwünschte Ereignisse traten zum Beispiel bei 73,1 Prozent der untersuchten Personen in der Fortführungsgruppe und bei 74,0 Prozent in der Absetzgruppe auf.
Wichtig zu sagen ist, dass diese Ergebnisse nicht bedeuten, dass Menschen ab 75 Jahren ihre Statine generell absetzen sollten. Sie beziehen sich auf ältere Menschen, die Statine ausschließlich zur Primärprävention einnahmen und noch keine atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten. Auf Patienten, die beispielsweise bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben und Statine zur Sekundärprävention erhalten, lassen sich die Ergebnisse daher nicht übertragen. Auch beweist die Untersuchung nicht, dass das Absetzen besser ist als die weitere Behandlung: Untersucht wurde vielmehr, ob es hinsichtlich der Gesamtsterblichkeit innerhalb von drei Jahren nicht unvertretbar schlechter war.
Die Forschenden sehen die Ergebnisse deshalb vor allem als Grundlage für individuellere Therapieentscheidungen. Bei älteren Menschen ohne bisherige Herz-Kreislauf-Erkrankung könne gemeinsam mit dem behandelnden Arzt geprüft werden, ob eine weitere Statintherapie sinnvoll ist. Dabei müsste man dann Punkte wie den klinischen Zustand, das individuelle Herz-Kreislauf-Risiko, weitere Medikamente sowie die Präferenzen der Patienten berücksichtigen.