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Pflegereform
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Wie wichtig ist kultursensible Pflege?

Während die Bundesregierung vor allem über die Finanzierung der Pflege diskutiert, lenkt die Linkspartei die Aufmerksamkeit auf einen anderen Aspekt: die »kultursensible Pflege«. Der Apotheker Nojan Nejatian und die Pflegerin Melisa Kalayci erklären, warum dieser Aspekt für Pflegende besonders wichtig ist.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 21.07.2026  16:20 Uhr
»Menschen nicht in Schubladen stecken«

»Menschen nicht in Schubladen stecken«

Auch der mit einem Pflegenetzwerk eng zusammenarbeitende Apotheker Nojan Nejatian hält kultursensible Pflege für wichtig. Denn es gebe »fundamentale Unterschiede in den Pflegegewohnheiten« von Menschen mit Migrationsgeschichte – vom Zeitpunkt und der Zusammensetzung der Mahlzeiten bis hin zu Körperpflegeritualen.

Für Melisa Kalayci, Pflegedienstleiterin im Berliner Hospiz IPEK, bedeutet Kultur mehr als nur Ernährungsgewohnheiten. Es bedeute, sensibel zu sein und zuzuhören. »Dass wir viel nachfragen und Menschen nicht in Schubladen stecken«, so die Pflegedienstleiterin gegenüber der PZ. »Man weiß: ›Ein Türke isst kein Schweinefleisch‹, aber das heißt nicht, dass ich mich mit der Kultur beschäftigt habe«, beklagt sie sich.

Ein weiteres Problem ist laut Nejatian, dass die Unterbringung eines Angehörigen im Pflegeheim in vielen Kulturkreisen als Vernachlässigung der familiären Verantwortung gilt. »Viele pflegende Angehörige mit Migrationshintergrund entscheiden sich daher bewusst für die häusliche Pflege«, sagt der Apotheker aus Erzhausen in Hessen. Außerdem würden viele Angehörige die staatlichen Unterstützungsmöglichkeiten nicht ausreichend kennen, was auf Sprachbarrieren zurückzuführen ist.

Auch Kalayci bekräftigt, dass viele Menschen von den Angeboten gar nichts wissen. So würden viele zum Beispiel das Prinzip eines Hospizes, also einer Pflege- und Betreuungseinrichtung für unheilbar kranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase, gar nicht kennen. »Es gibt verschiedene Sprachen und Kulturen, die mit dem Wort nichts anfangen können. Sie wissen nicht, was das bedeutet, was das ist und dass es das gibt«, so Kalayci.

Regierung verweist auf bestehende Angebote

Zwar räumt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Linken ein, dass im Recht der sozialen Pflegeversicherung festgelegt ist, dass den Bedürfnissen nach einer kultursensiblen Pflege nach Möglichkeit Rechnung getragen werden soll. Einen rechtlichen Änderungsbedarf zur Förderung der Muttersprache in der pflegerischen Versorgung oder Ausbildung sieht sie jedoch nicht.

Die Pflegedienstleiterin wünscht sich »wesentlich mehr Fortbildungen« zum Thema kultursensible Pflege sowie eine stärkere Berücksichtigung des Themas in der Ausbildung oder im Studium. »Es sollte Raum geben, darüber zu sprechen«, so Kalayci.

Ein solches Vorhaben wird in der Antwort der Regierung nicht erwähnt. Stattdessen weist sie auf Projekte wie die E-Learning-Plattform »Vielfalt Pflegen« zur Förderung transkultureller Kompetenzen für Mitarbeitende in der Pflege hin oder auf das Digitalangebot »PflegeDigital 2.0« zur (inter-)aktiven Unterstützung der Pflegeausbildung von Personen mit Zuwanderungsgeschichte. Ob das allerdings ausreicht, bleibt fraglich.

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