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Sozialsysteme
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Wie retten wir Gesundheit und Rente?

Die Sozialsysteme stehen insgesamt unter Druck, große Strukturreformen sind schwierig umzusetzen – auch im Gesundheits- oder Rentensystem. Über mögliche Lösungen sprachen der CDU-Abgeordnete Pascal Reddig und der frühere BMG-Abteilungsleiter Boris Velter beim AByou Future Lab.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 21.05.2026  11:55 Uhr

Boris Velter ist ehemaliger Leiter der Leitungsabteilung im Bundesgesundheitsministerium (BMG). Er kennt den hohen Reformdruck im Gesundheits- und Pflegesystem, sieht aber auch »extreme Beharrungstendenzen«. Velter ärgert, dass die schwierige Situation der Menschen, die im System arbeiten, seit Jahren nicht erkannt wird. »In der vollen Brutalität und Dramatik wird das nicht wahrgenommen.«

Um dem deutlich steigenden Druck zu begegnen, müsste es aus seiner Sicht aber einen Paradigmenwechsel geben, weg von der Fallorientierung hin zu einer Versorgungsstruktur. Wenn bestimmte Strukturen unbedingt vorgehalten werden müssen – Feuerwehr oder auch Apotheken vor Ort –, dann müsse die Finanzierung des Systems zumindest teilweise vom Einzelfall abgekoppelt werden.

Neben strukturellen Reformen fordert Felter, dass alle Kompetenzen im Gesundheitswesen besser genutzt werden. »Ich wäre bei der Apothekenreform viel weiter gegangen«, sagte Velter mit Blick auf die Rolle der Apotheken. Velters dritter Vorschlag – auch in seiner Rolle als SPD-Mitglied: die Beitragsbasis verbreitern.

Reddig: Reformen früher – Schmerz geringer

Große Reformen stehen ebenso im Rentensystem an. Pascal Reddig (CDU) gehört zwar zu den jungen Abgeordneten der Unionsfraktion, hat sich aber seit jeher dem Thema Rente verschrieben. »Den demografischen Wandel können wir nicht ausknipsen«, sagte er beim AByou Future.Lab. Die Koalition müsse jetzt die Reformen anschieben, um die Lasten zwischen den Generationen fair zu verteilen.

»Ziel muss Mehrgenerationengerechtigkeit sein«, so Reddig. Dass auch seine Unionsfraktion in den vergangenen Jahren nicht den Mut für tiefgreifende Reformen in der Rente aufgebracht habe, ärgert ihn, »denn dann wären sie nicht so schmerzhaft gewesen«.

Früher habe das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern bei 6:1 gelegen, heute bei 2:1 und perspektivisch eher bei 1:1. Die Lösung sieht er in einer verpflichtenden kapitalgedeckten Altersvorsorge. Zwar gebe es in Deutschland keine besondere Affinität zu dieser Lösung, positive Erfahrungen in europäischen Nachbarländern sprechen aber Reddig zufolge eine eindeutige Sprache. Da müsse Politik auch mal aushalten und Mut zu entscheiden, was jetzt richtig ist.

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