| Laura Rudolph |
| 05.03.2026 15:30 Uhr |
Hatte ein Baby unter sechs Monaten engen Kontakt zu einer Person mit aktiven Herpesbläschen, sollten die Eltern das Kind in den folgenden zwei bis drei Wochen engmaschig beobachten. Treten unspezifische Symptome wie Fieber, Trinkschwäche, Lethargie oder Hautveränderungen auf, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.
Je nach Risikokonstellation können virologische Abstriche und bei besonders gefährdeten Kindern gegebenenfalls eine antivirale Therapie erwogen werden. Besonders gefährdet sind Neugeborene in den ersten Lebenswochen, die keinen Nestschutz haben, oder Kinder mit bestimmten Grunderkrankungen. Mütter, die bereits HSV-1-seropositiv sind, übertragen über die Plazenta spezifische Herpes-Antikörper auf ihr Kind. Dieser Nestschutz wirkt in den ersten Lebensmonaten und bietet einen gewissen, aber keinen vollständigen Schutz vor einer schweren HSV-1-Erstinfektion.
Eine HSV-1-Erstinfektion kann bei Babys und Kleinkindern eine Mundfäule auslösen. Typisch sind schmerzhafte Bläschen und Ulzerationen in der Mundhöhle und am Zahnfleisch, Fieber, ausgeprägtes Krankheitsgefühl, Mundgeruch sowie Schluckbeschwerden.
Die Erkrankung ist hoch ansteckend und kann sehr belastend sein, ist aber in der Regel nicht lebensbedrohlich. Sie heilt meist in zwei bis drei Wochen von selbst aus. Problematisch ist aber die verminderte Flüssigkeitsaufnahme. In einzelnen Fällen kann es daher nötig sein, dass das Baby oder Kleinkind im Krankenhaus Infusionen erhält. »Schwere Komplikationen wie Augen- oder Hirnhautentzündungen können theoretisch in jedem Alter auftreten, sind aber extrem selten«, so Schulz.
Wie gefährlich ist ein Lippenherpes-Schub bei Schwangeren für den Fetus? »In der Schwangerschaft ist Lippenherpes in aller Regel ungefährlich für das Ungeborene, da es sich um ein wiederkehrendes Aufflammen einer Infektion handelt, die vor der Schwangerschaft durchgemacht wurde«, erklärt die Ärztin. Eine Übertragung von HSV-1 bei Erstinfektion über die Plazenta sei sehr selten.
»Gefährlicher sind primäre Genitalherpesinfektionen, die im späten Verlauf der Schwangerschaft auftreten.« Tritt die Erstinfektion nach der 36. Schwangerschaftswoche auf, empfiehlt man in der Regel einen Kaiserschnitt, um das Übertragungsrisiko zu minimieren. Tritt die Infektion früher auf, kann eine antivirale Therapie erwogen werden; die Entscheidung hängt jedoch vom genauen Zeitpunkt und Krankheitsverlauf ab. Im ersten Trimenon erfolgt in der Regel keine antivirale Behandlung.
Das Herpes-simplex-Virus ist weltweit verbreitet und gehört zur großen Familie der Herpesviren, die etwa 170 Arten umfasst. Alle sind behüllt und besitzen ein Genom aus doppelsträngiger DNA. Herpesviren zählen zu den größten und komplexesten Viren und können eine Reihe von Wirbeltieren, aber auch Wirbellose befallen. Beim Menschen kommen zwei Arten vor: HSV-1 und HSV-2, wobei die Primärinfektion von HSV-1 häufig im Mundbereich und die von HSV-2 häufig im Genitalbereich stattfindet, wo sie typischerweise Lippen- beziehungsweise Genitalherpes auslösen. Jedoch können beide Arten auch jeweils den anderen Bereich befallen, etwa durch orogenitale Kontakte. Klinisch äußern sich HVS-Infektionen meist durch schmerzhafte Bläschen auf Haut und Schleimhäuten. Einmal im Körper, persistiert das Virus in Neuronen der sensorischen Ganglien und kann bei geschwächtem Immunsystem reaktiv werden.