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HSV-1 und HSV-2
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Wie gefährlich ist Herpes für Babys?

Herpesinfektionen können für Neugeborene lebensbedrohlich sein – besonders bei einer Ansteckung mit dem Erreger des Genitalherpes (HSV-2) unter der Geburt. Doch wie hoch ist das Risiko für Babys nach der Geburt durch Lippenherpes (HSV-1) im Alltag? Was Eltern über Ansteckung, Symptome und Schutzmaßnahmen wissen sollten.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 05.03.2026  15:30 Uhr

Kein enger Kontakt zu Neugeborenen

Personen mit akutem Lippenherpes sollten engen Kontakt zu Neugeborenen möglichst ganz vermeiden. Eltern und andere Personen, die das Baby versorgen, sollten konsequent Vorsichtsmaßnahmen ergreifen: das Baby nicht küssen, Herpesbläschen abdecken – etwa mit speziellen Pflastern – und bei engem Kontakt, beispielsweise beim Stillen, einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Eine sorgfältige Händehygiene mit regelmäßiger Desinfektion ist ebenfalls essenziell.

Auch Geschwisterkinder sollten ihrem Alter entsprechend darüber informiert werden, dass sie das Baby nicht küssen dürfen. Wenn sie es halten möchten, sollten sie zuvor gründlich die Hände waschen und gegebenenfalls eine Maske tragen. Sobald die Bläschen vollständig verkrustet und trocken sind, sinkt das Übertragungsrisiko deutlich, da kein infektiöser Bläscheninhalt mehr austritt. In der Regel ist dies nach etwa acht bis zehn Tagen der Fall.

Ansteckungsrisiko Krabbelgruppe

Auf die Frage, wie groß die Ansteckungsgefahr beispielsweise in einer Krabbelgruppe ist, antwortet Schulz: »Die Gefahr ist realistisch, weil viele Kinder bis zum zweiten Geburtstag bereits Kontakt mit HSV-1 hatten.« In dieser Altersgruppe treten Erstinfektionen in Form der sogenannten Mundfäule (Stomatitis aphtosa oder auch Gingivostomatitis herpetica) vergleichsweise häufig auf.

Wichtig ist jedoch: »Kinder in der Krabbelgruppe sind meist älter als sechs Monate. Ab diesem Alter kann man davon ausgehen, dass ihr Immunsystem eine Infektion in der Regel gut bewältigt. Viele Infektionen verlaufen sogar ohne sichtbare Symptome.«

Schwere Verläufe bei HSV-1 selten

Wie eingangs erwähnt, spielt vor allem die Übertragung von HSV-2 unter der Geburt die zentrale Rolle bei schweren Herpesinfektionen im Neugeborenenalter. Da das Immunsystem zu diesem Zeitpunkt noch unreif ist, drohen schwere Komplikationen wie eine Gehirnhautentzündung, Augenentzündung bis zur Erblindung oder eine Infektion mit Multiorganbeteiligung.

Dass sich sehr junge Babys bei Kontaktpersonen mit HSV-1 anstecken, sei dagegen deutlich seltener. Schulz berichtet, dass sie in 30 Jahren klinischer Tätigkeit noch keinen solchen Fall erlebt habe.

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