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Wie funktioniert Forschung aus der Apotheke?

Auch Offizinapotheker können Forschung betreiben, wie der Apothekeninhaber Dr. Olaf Rose und seine Filialleiterin Susanne Erzkamp bei einer vom Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) organisierten Online-Veranstaltung berichteten.
Carolin Lang
02.07.2021  11:30 Uhr

Für die Forschung aus der öffentlichen Apotheke heraus braucht es im Wesentlichen zwei Dinge, wie Rose verdeutlichte: ein Forschungsprojekt und Forschungsgelder. »An Forschungsgelder zu kommen ist dabei alles andere als einfach«, so der Apotheker. Man könne diese beispielsweise bei Stiftungen oder dem Innovationsfonds beantragen, jedoch gebe es stets viel Konkurrenz. »Es ist außerdem sehr viel Arbeit, die Anträge zu schreiben – und die Chance, tatsächlich gefördert zu werden, ist nicht sehr hoch«, führte er weiter aus. »Forschung ist ein ständiger Kampf ums Geld. Etwa die Hälfte der Energie geht in die Gewinnung von Forschungsgeldern, die andere Hälfte in die Forschung an sich.«

Die Projekte könnten dann in den Apothekenalltag integriert sein oder separat ablaufen, schilderte Rose. So forscht er beispielsweise am 3-D-Druck von festen Arzneiformen in Apotheken. »Hierbei handelt es sich um Grundlagenforschung, die sich schlecht in den Apothekenalltag integrieren lässt«, erklärte er. Daneben betreiben sowohl Rose als auch Erzkamp einige Forschungsprojekte zur Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) und zum Medikationsmanagement, wofür sie auch Patienten in der Apotheke vor Ort rekrutieren. »Wir haben beispielsweise an einem Forschungsprojekt zum Thema Medikationsmanagement gemeinsam mit der AOK teilgenommen. Dazu haben wir AOK-versicherte Apothekenkunden direkt angesprochen und sie so für das Forschungsprojekt gewonnen«, berichtete Erzkamp.

Schwerpunkt Medikationsmanagement

Die Motivation zu den Forschungsprojekten schöpft der Apotheker aus seiner Überzeugung heraus. Nach dem Pharmaziestudium in Münster habe er erneut das Pharmaziestudium an der University of Florida aufgenommen, wo der Schwerpunkt neun Semester auf der Pharmakotherapie gelegen habe, berichtete er. Dabei lernte er auch die Rolle von Apothekern in anderen Gesundheitssystemen kennen, wobei ihn letztlich die Idee überzeugte, dass »die Verantwortung des Apothekers nicht mit der Abgabe eines Medikaments endet, sondern beginnt«, schilderte er.

Um dieses Leitbild auch in Deutschland zu etablieren, gründete er das Forschungsinstitut »impac2t«, das auf die Forschung im Bereich Pharmakotherapie mit dem Schwerpunkt Medikationsmanagement spezialisiert ist. Seither widmet er sich neben seiner Tätigkeit als Apothekeninhaber und Gastdozent für Pharmakotherapie an der Paracelsus-Universität in Salzburg auch der Forschung in diesem Bereich.

Durch eine Fortbildung zur AMTS-Managerin begeisterte sich auch die Apothekerin Erzkamp für das Medikationsmanagement und ist inzwischen als Filialleiterin an verschiedenen Forschungsprojekten der Apotheke von Rose beteiligt, unter anderem an der »AMBER-Studie« mit dem Ziel, einen Leitfaden für Apotheker zur Medikationsanalyse von Altenheimbewohnern zu entwickeln.

»Neben der Arzneimittelabgabe hat die öffentliche Apotheke noch einiges mehr zu bieten«, resümierte sie abschließend.

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