| Daniela Hüttemann |
| 05.02.2026 16:20 Uhr |
Ob im Krankenhaus oder in onkologischer Praxis und Apotheke vor Ort: Eine interdisziplinäre Versorgung von Krebspatienten unter oraler Antitumortherapie inklusive pharmazeutischer Betreuung ist immer sinnvoll. / © Getty Images/SDI Productions
Anders als bei der pharmazeutischen Dienstleistung »Pharmazeutische Betreuung bei oraler Antitumortherapie«, die die Apotheke unabhängig vom Onkologen durchführen kann, setzt das Safety-First-Projekt (»Sicherheitsnetz für die orale Tumortherapie«) auf eine noch intensivere Betreuung und interprofessionelle Zusammenarbeit. An 24 Standorten arbeiten zwölf Tandems aus ambulanter Onkologie-Praxis und Apotheke vor Ort sowie weitere zwölf Tandems aus Klinikambulanz/MVZ und Krankenhausapotheke zusammen.
Die Ergebnisse sollen am 18. Februar im Rahmen des Deutschen Krebskongresses in Berlin präsentiert werden, berichtete Julia Schwanfelder, Safety-First-Projekt-Apothekerin an der Uni Erlangen, vergangenen Samstag beim NZW-Kongress in Hamburg.
Eingeschlossen werden 600 Patientinnen und Patienten mit einer neu beginnenden oralen Antitumortherapie. Die (Krankenhaus-)Apotheken sollen arzneimittelbezogene Probleme identifizieren und gemeinsam mit den ärztlichen Partnern lösen.
Koordiniert wird das vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Projekt von den AMTS-Zentren der Universitäten Erlangen (Professor Dr. Frank Dörje und Professor Dr. Martin Fromm) und Bonn (Professor Dr. Ulrich Jaehde). »Die Ziele sind die Erhöhung der Sicherheit bei der Anwendung der oralen Antitumortherapeutika, eine Verbesserung der interprofessionellen Zusammenarbeit sowie ein Beitrag zu verbesserter Patientenkompetenz«, hatte Dörje zum Studienauftakt 2023 erklärt. Dazu gehören weniger Nebenwirkungen und Medikationsfehler sowie eine bessere Lebensqualität und Adhärenz.
Der primäre Studienendpunkt ist ein kombinierter: schwerwiegende Nebenwirkungen, Behandlungsabbrüche, ungeplante Hospitalisierungen und Todesfälle sollen durch die intensive pharmazeutische Betreuung insgesamt um mindestens 25 Prozent reduziert werden.
In die angekündigte Analyse fließen nach Schwanfelders Angaben die Daten von 479 Patienten (57,8 Prozent weiblich) mit einem medianen Alter von 66,9 Jahren ein. Sie litten unter 45 verschiedenen Tumorentitäten (am häufigsten Brust-, Bronchial- und Darmkrebs) und erhielten 70 verschiedene orale Antitumor-Wirkstoffe, darunter häufig Ribociclib (Kisqali®) und Capecitabin (Xeloda® und Generika), aber auch viele neuere Arzneistoffe wie Pirtobrutinib (Jaypirca®) oder Capivasertib (Truqap®). Beim NZW zeigte Schwanfelder exemplarisch an drei Patientenfällen erste Benefits der intensivierten Betreuung auf.