| Melanie Höhn |
| 17.03.2026 17:30 Uhr |
Für einen solchen ressortübergreifenden Ansatz machte sich auch Christoph Aluttis vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) auf dem Kongress stark. Er betonte, dass Gesundheit zu großen Teilen außerhalb des Gesundheitssystems entstehe. »Faktoren wie Bildung, Einkommen oder Wohnbedingungen haben einen entscheidenden Einfluss«, erklärte er. Gesundheitliche Auswirkungen müssten in allen Politikbereichen mitgedacht werden.
Aluttis hob auch hervor, dass die Gesundheitskompetenz der Menschen gestärkt werden müsse: Sie müssten dazu befähigt werden, gesundheitsbewusste Entscheidungen zu treffen. Auf Nachfrage der PZ erklärte er, dass Apotheken in diesem Zusammenhang eine große Rolle als niedrigschwellige Anlaufstelle spielen. Einerseits erhalten Menschen dort Medizinprodukte, andererseits könnten sie sich informieren. »Das ist ein spannendes Setting für uns als Bundesinstitut. Wir suchen jetzt auch den Austausch mit den Apotheken.« Gemeinsam mit den Apothekerverbänden wolle das Institut Veranstaltungen organisieren, bei denen die Apotheken qualitätsgesicherte Information des BIÖG erhalten.
Vereinzelte sogenannte »Town-Hall-Veranstaltungen« zum Thema Prävention hätten bereits im vergangenen Jahr stattgefunden, unter anderem im Rahmen der Kooperation des Apothekerverbandes Nordrhein mit dem BIÖG. Zum Auftakt der Fortbildungsreihe der Apotheken-Akademie Nordrhein stand die »Beratung aus der Apotheke bei Hitze und deren Folgen« im Fokus.
Der kommissarische Leiter des BIÖG, Johannes Nießen, ergänzte, dass das Institut in engem Austausch mit der Apothekerschaft sei. »Es ist unser Wunsch der Stunde als Bundesinstitut, dass so etwas ein relativ einfaches Instrument ist, um auch in eine Diskussion zu kommen.« Auch er betonte die Rolle der Apotheken als niedrigschwellige Beratungsstellen: »Wenn ich Kopfschmerzen habe, gehe ich nicht zum Arzt, sondern zur Apotheke.«
Professor Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie, merkte an, dass das deutsche Gesundheitssystem stark auf die Behandlung eingetretener Krankheiten ausgerichtet sei. Prävention und Gesundheitsförderung spielten nur eine kleine Rolle. »Ein Verständnis dafür, dass über viele Sektoren und Systeme hinweg gemeinsam für mehr Gesundheit gearbeitet werden muss, fehlt oft«, sagte er.
Professor Rolf Rosenbrock, Vorstandsvorsitzender der Organisation »Gesundheit Berlin-Brandenburg«, konstatierte, dass »alle Kampagnen und Aktivitäten der Prävention und Gesundheitsförderung in der Summe nicht stark genug sind, um das Wirken jener Kräfte zu kompensieren, die die Ungleichheit befeuern: ungleiche Bildungschancen, wachsende Ungleichheit der Einkommen und noch mehr des Vermögens. Auch die staatliche Arbeits- und Sozialpolitik ist nicht stark genug, den Trend zu stoppen, zum Teil verstärkt sie ihn noch.«
Für die sogenannte Individualprävention der Gesetzlichen Krankenversicherung, dies seien im Wesentlichen Kurse, werde noch immer noch mehr Geld ausgegeben als für sogenannte »Lebenswelt-Interventionen« beispielsweise in Kitas und Schulen, obwohl die »Prävention mit Kursen die am meisten belasteten Gruppen kaum erreicht.« Er ist der Meinung, dass nur eine konsequent auf Chancengleichheit ausgerichtete Bildungs-, Arbeits- und Sozialpolitik eine Veränderung bewirke.