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SARS-CoV-2

WHO warnt vor Stigmatisierung

Man kann es kaum glauben: Seit Beginn der SARS-CoV-2-Epidemie wird immer wieder berichtet, dass vor allem Menschen asiatischer Herkunft mit der Infektionskrankheit Covid-19 negativ in Verbindung gebracht werden. Eine derartige Stigmatisierung ist nicht nur dumm, sondern auch so gefährlich, dass sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veranlasst sieht, auf diesen Missstand aufmerksam zu machen.
Theo Dingermann
26.02.2020  09:48 Uhr

In ihrem Situationsbericht vom 24. Februar schreibt die Organisation, es sei verständlich, dass die Nachrichtenflut zu der neuen Infektionskrankheit Verwirrung und Angst in der Bevölkerung auslöst. Dies dürfe aber nicht zur Stigmatisierung und Diskriminierung von bestimmten Bevölkerungsgruppen führen. Denn neben den negativen Effekten für die Stigmatisierten selbst könnten Stigmata auch eine Verbreitung des Erregers begünstigen und die Kontrolle des Ausbruchs erschweren, da Erkrankte eventuell aus Scham ihre Infektion verheimlichten und keine ärztliche Hilfe in Anspruch nähmen.

Die WHO ruft Medien, Heilberufler sowie jeden Einzelnen dazu auf, einer Stigmatisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen entschlossen entgegenzutreten.

Das wird allerdings nur dann erfolgreich sein, wenn die Bevölkerung möglichst umfassend über die Eigenarten des Virus, die Möglichkeiten zur Minimierung der Ansteckungsgefahr, die Charakteristika der durch das Virus ausgelösten Krankheit Covid-19 und die Behandlungsoptionen aufgeklärt ist. Ein Mangel an Wissen ist ein bekannter Treiber für Fehlinformationen und Mythenbildung, die auch die Basis für eine Stigmatisierung bilden können.

Tipps der WHO

Die WHO regt an, bei der Information der Bevölkerung auch angesehene Meinungsbildner und Testimonials, die eine Infektion und die Krankheit überstanden haben, mit einzubinden. Es sei wichtig zu vermitteln, dass die allermeisten Infektionen sehr milde verlaufen.

Ganz aktuell wird deutlich, dass Covid-19 nicht eine Krankheit einer einzelnen ethnischen Gruppierung ist. Das Virus ist mittlerweile in mehr als 40 Ländern angekommen, weshalb es geradezu absurd ist, einzelne Bevölkerungsgruppen mit der Krankheit zu assoziieren.

An die Medien appelliert die WHO, ausgewogen und so konkret wie möglich zu berichten. Evidenz und nicht Spekulation müssten im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen. Dabei könne durchaus auch wiederholt auf Initiativen hingewiesen werden, die sich gegen Stigmatisierung und Stereotypisierung positionieren.

Wer sich für diese Anliegen besonders engagieren will, kann kostenfrei das Dokument »Social Stigma associated with Covid-19« aus dem Netz herunterladen.

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