| Alexandra Amanatidou |
| 23.06.2026 15:25 Uhr |
Es gibt viele Initiativen – sowohl auf europäischer Ebene als auch bundesweit –, die versuchen, die Datensammlung und Datenverarbeitung im Gesundheitsbereich zu vereinfachen. Beispiele hierfür sind der European Health Data Space, das Gesundheitsdatennutzungsgesetz und das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen.
Laut Schmidtke ist auch der Datenschutz nicht mehr so »extrem«, wie er früher war. »Wir gehen vom Datenschutz zum Datennutz.« Die Herzchirurgin warnt jedoch, dass mehr Daten aus Forschungszentren allein nicht ausreichen. Ein zentrales Problem sei nämlich, dass die Ärzteschaft die wichtigen Fragen nicht stelle. Als Beispiel nennt sie Kreislauferkrankungen bei Frauen in den Wechseljahren. Dieser Zusammenhang werde während des Arztbesuchs nicht thematisiert. »Wir philosophieren auf hohem Niveau, aber wenn die Basis die Fragen nicht stellt, dann bringen die Daten nichts.«
Schlagl sieht das anders: »Wir brauchen reale Versorgungsdaten. Das sind vielleicht nicht immer die Daten, die uns weiterbringen, aber das ist ein Anfang. Vielleicht können wir dann darauf aufbauen.«
Anne Feldt, Gründerin der App »hermaid« für die Wechseljahre, weist darauf hin, dass eine Vielzahl von Daten verfügbar ist. Diese seien beispielsweise in Wearables wie Fitness-Armbändern oder Smartwatches enthalten und könnten die Herzfrequenz oder die Körpertemperatur erfassen. Ein Problem für die Unternehmerin ist jedoch, dass digitale Produkte, die einen Mehrwert für Nutzerinnen bieten, nicht immer von den Krankenkassen erstattet werden.
Doch Daten spielen auch bei der Anwendung von KI eine große Rolle. Laut der Medizin-Informatikerin Schlagl ist diese bereits bei der Produktentwicklung angekommen. Sie warnt vor verzerrten Daten bei den KI-Modellen und betont, wie wichtig es ist, dass auch Frauen und ihre Bedürfnisse abgebildet werden. Wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schreibt, ist Bias eine tiefgreifende Problematik für KI-Systeme.
»Datensammlungen beinhalten immer menschlichen Einfluss und sind gefärbt durch zahlreiche technische, wirtschaftliche, rechtliche und soziale Entscheidungen«, so das BSI. »Deshalb ist es extrem wichtig, diverse Daten zu haben«, sagt Schlagl. Schmidtke, Professorin für Herzchirurgie, nennt ein Beispiel. Laut der Expertin erkennt die KI einen Herzinfarkt bei Frauen nicht, da die gleichen Angaben bei Männern nicht darauf hindeuten würden.
Künftig soll KI auch in der ePA eine Rolle spielen. So sollen sich Patientinnen und Patienten mithilfe von KI im Vorfeld über Erkrankungen informieren und anschließend mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt darüber sprechen. Die Ärzteschaft soll dabei die gleichen Informationen sehen können, um nachvollziehen zu können, worauf sich die Patientinnen und Patienten stützen. »Dann können sie auf der gleichen Ebene diskutieren«, sagt Adjei.