Bei vielen psychischen Erkrankungen ist eine Psychotherapie die Behandlung der Wahl. / © Adobe Stock/motortion
Im Jahr 2021 erhielten rund 34 Prozent mehr Kinder und Jugendliche Psychopharmaka als 2024, wie Daten der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) zeigen. »Der Rückgang von Heranwachsenden, denen laut unseren Daten psychisch wirksame Medikamente verordnet wurden, ist erfreulich«, sagt Apotheker Sven Seißelberg in einer Pressemitteilung der KKH. Zuvor schien der Trend in eine andere Richtung zu gehen: Zwischen 2014 und 2024 stiegen die Zahlen der Verordnungen um immerhin 18 Prozent.
Die Krankenkasse erhob anonymisierte Daten von mehr als 234.600 KKH-versicherten Kindern und Jugendlichen ab sechs Jahren. Im Jahr 2024 bekamen 2,68 Prozent von ihnen Psychopharmaka verschrieben. Besonders während der Coronapandemie waren die Zahlen hoch: Die seelische Gesundheit vieler Kinder sei durch die Kita- und Schulschließungen sowie die fehlenden sozialen Kontakte »dramatisch aus dem Lot geraten«, so die KKH.
Zugleich waren Termine vor Ort in Kinderarzt- oder Psychotherapiepraxen häufig nicht möglich – möglicherweise ein Grund für vermehrte Verschreibungen von Psychopharmaka. »Wenn psychotherapeutische Angebote nicht zeitnah verfügbar sind, stehen behandelnde Ärztinnen und Ärzte vor der Herausforderung, betroffene Kinder und Jugendliche dennoch angemessen zu versorgen«, erklärt Seißelberg.
Die Behandlung hängt unter anderem vom Alter, der Diagnose und dem Schweregrad ab. Oft stehen psychotherapeutische, psychosoziale und familienbezogene Maßnahmen im Vordergrund. Die medikamentöse Behandlung kann wichtig sein – besonders bei schweren Verläufen oder bei bestimmten Erkrankungen.
In der Regel sind psychische Erkrankungen gut behandelbar – je früher sie erkannt und therapiert werden, desto besser. Abhängig von der Diagnose stehen bei Kindern und Jugendlichen eher wenige zugelassene Psychopharmaka zur Verfügung, weshalb sie häufig off Label angewendet werden. »Ein gezielter, sorgfältig abgewogener Einsatz von Psychopharmaka ist besonders wichtig«, betont Seißelberg. Denn Kinder und Jugendliche befinden sich in der Entwicklung, und langfristige Auswirkungen seien je nach Wirkstoff unterschiedlich gut untersucht.