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Deutschland und weltweit
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ADHS-Diagnosen steigen deutlich

Immer mehr Kinder und Jugendliche erhalten in Deutschland eine Neudiagnose für eine Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung, meldet die Krankenkasse DAK. Auch global gehen die Zahlen nach oben, zeigt eine Analyse britischer Forscherinnen.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 11.08.2026  09:00 Uhr

Laut dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit erhielten in Deutschland im Jahr 2024 hochgerechnet rund 202.000 Kinder und Jugendliche erstmals die Diagnose Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Im Vergleich zum Vorjahr 2023 bedeutet dies einen Anstieg um 16 Prozent.

Auffällig ist die Geschlechterverteilung: So erhielten 22,4 Jungen und 11,3 Mädchen je 1000 Kinder und Jugendliche 2024 erstmals eine ADHS-Diagnose. Das entspricht hochgerechnet rund 136.500 Jungen und 65.000 Mädchen. Im Vergleich zum Vorjahr weisen Mädchen aber mit einem Zuwachs von rund 21 Prozent höhere Steigerungsraten auf als Jungen mit gut 14 Prozent. Im Vergleich zu 2020 steht bei Mädchen sogar ein Plus von rund 46 Prozent.

Als erste Krankenkasse wertete die DAK-Gesundheit ambulante und stationäre Abrechnungsdaten von Kindern und Jugendlichen mit dem Fokus auf ADHS für das Jahr 2024 aus, heißt es in der Mitteilung zur Veröffentlichung des Berichts. Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchte das Wissenschaftsteam von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 800.000 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit versichert sind. Analysiert wurden rund 42 Millionen Versorgungskontakte im Zeitfenster von 2019 bis 2024. Besonders auffällig sind die Jahre 2023 und 2024 – hier sind die stärksten Anstiege der ADHS-Neuerkrankungen erkennbar.

Bei ADHS handelt es sich um eine multifaktoriell bedingte Erkrankung, bei der sowohl die Genetik als auch Umweltfaktoren eine wichtige Rolle spielen. Die DAK-Daten zeigen, wie häufig die Störung ist: Im Jahr 2024 wurden 5,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren aufgrund einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt.

Was sind die Ursachen des Anstiegs der ADHS-Diagnosen?

»Bei ADHS handelt es sich um eine multifaktorielle Erkrankung mit nachgewiesen starker biologischer Grundlage. Wenn eine genetische Veranlagung besteht, können aber auch sogenannte Stressoren dazu führen, dass eine psychische Erkrankung eher zum Tragen kommt«, sagt Professor Dr. Christoph U. Correll, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Berliner Charité.

Die Zunahme der Diagnosen könne auf den wachsenden Druck und Stress für Kinder und Jugendliche zurückgehen. »Wir beobachten wahrscheinlich zum Teil auch Spätfolgen der Pandemie, weil wichtige Lernschritte eventuell unterbrochen oder verzögert wurden.« Zudem nehme der negative Einfluss sozialer Medien zu: »Der erhöhte Medienkonsum kann die Konzentrationsfähigkeit mindern, das Stresslevel erhöhen und durch unrealistische Idealbilder den Selbstoptimierungsdruck verstärken«, so Correll.

Hinzu komme, dass das Thema ADHS in der Öffentlichkeit auch präsenter und die Symptomatik bekannter geworden sei. »Die Krankheit kann dadurch schneller und früher diagnostiziert und gegebenenfalls behandelt werden – genau das ist wichtig, um jungen Menschen zu helfen, ihre Ziele zu erreichen. Von einer Modediagnose oder Überdiagnostik kann jedoch im Allgemeinen keine Rede sein.«

»Besonders bemerkenswert ist der starke Anstieg bei Mädchen«, sagt Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ). Das zeige, dass ADHS bei ihnen lange unterdiagnostiziert gewesen sei, da sich die Symptomatik oft weniger externalisierend äußere. Bei Mädchen werde die Störung oft erst spät und dann mit zusätzlichen Belastungen sichtbar.

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