Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Neue Analyse
-
Weltweit steigende Schlaganfallzahlen

Weltweit sinken die altersstandardisierten Schlaganfallraten, dennoch steigt die absolute Zahl der Betroffenen. Das zeigt ein aktueller Bericht, auf den heute zum Welt-Schlaganfall-Tag aufmerksam gemacht wird.
AutorKontaktChristina Düll
Datum 29.10.2026  16:00 Uhr

Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns plötzlich nicht mehr mit ausreichend Blut und damit Sauerstoff versorgt. Ursache ist meist ein Gefäßverschluss oder eine Hirnblutung. Dadurch können in den betroffenen Gehirnregionen Nervenzellen innerhalb kurzer Zeit geschädigt werden. Ein Schlaganfall kann unter anderem Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen sowie Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit verursachen. Viele Betroffene leiden langfristig unter den Folgen, manche sterben daran.

Um die Entwicklung der weltweiten Schlaganfallbelastung zu verstehen, untersuchten Forschende um Professor Dr. Valery L. Feigin von der Auckland University of Technology, Neuseeland, wie sich die Zahlen von Neuerkrankungen, Todesfällen und bleibenden Lebenseinschränkungen zwischen 1990 und 2023 entwickelt hatten. Dabei fassten sie aktuelle Schätzungen der globalen Krankheitslast (GBD) für Schlaganfälle zwischen 1990 und 2023 zusammen. Die Übersichtsarbeit wurde in der Fachzeitschrift »Neuroepidemiology« veröffentlicht.

Sinkende Schlaganfallraten, steigende Fallzahlen

Die Ergebnisse zeigen eine paradoxe Entwicklung: Zwischen 1990 und 2023 sank zwar die altersstandardisierte Rate neuer Schlaganfälle um 25 Prozent, die Sterblichkeitsrate um 52 Prozent. Gleichzeitig stieg aber die absolute Zahl der Neuerkrankungen um 73 Prozent und die Zahl der Todesfälle um 22 Prozent.

Die Forschenden sehen verschiedene Gründe für die steigende Zahl an Erkrankten: neben dem Wachstum der Weltbevölkerung auch deren zunehmende Überalterung. Darüber hinaus beträfen Schlaganfälle nicht mehr nur ältere Menschen. »Schlaganfälle wurden früher als Krankheit der Alten bezeichnet«, sagte Feigin. Heute sei dies nicht mehr zutreffend. Rund 52 Prozent der Schlaganfälle treten bei Menschen im erwerbsfähigen Alter unter 70 Jahren auf. Außerdem tragen zunehmend hohe Umgebungstemperaturen zu der Belastung bei. Ihr Anteil ist von 1990 bis 2023 um 122 Prozent gestiegen.

Prävention soll breiter ansetzen

Aus den Ergebnissen leiten die Forschenden Konsequenzen für die Prävention von Schlaganfällen ab. Die Präventionsstrategien seien zu stark auf Hochrisikopatienten ausgerichtet, sagt Feigin in einer Pressemitteilung der Oxford University Press. »Selbst im besten Fall verhindert die Behandlung von Hochrisikopersonen nur etwa 11 Prozent der Schlaganfälle und Herzinfarkte, da etwa 80 Prozent der Schlaganfälle bei Personen auftreten, die als niedriges oder mittleres Risiko eingestuft werden.«

Stattdessen sollten Präventionsmaßnahmen eingeführt werden, die Menschen auf jedem Risikoniveau erreichen. Feigin schlägt vor, bevölkerungsweite Maßnahmen zu entwickeln – beispielsweise den Salzgehalt in Lebensmitteln zu reduzieren und Steuern auf zuckerhaltige Getränke einzuführen. »Wir brauchen eine Strategie, die alle mit auch nur einem erhöhten Risikofaktor behandelt, nicht nur diejenigen, die eine Hochrisikogrenze überschreiten. Andernfalls steuern wir auf eine Krise zu, die Gesundheitssysteme schwer bewältigen werden.«

THEMEN
Schlaganfall
Mehr von Avoxa