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Pharmakotherapie
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Welchen Einfluss hat die Epigenetik?

Die Fortschritte in der epigenetischen Forschung haben Einzug in die Pharmakotherapie gefunden. Epigenetische Modifikationen beeinflussen die Arzneimittelwirkung, können aber auch selbst durch Arzneistoffe, Ernährung und Umweltfaktoren beeinflusst werden. Die Epigenetik könnte zu einem wichtigen Element der stratifizierten personalisierten Medizin werden.
AutorKontaktEva Gottfried
Datum 06.02.2022  08:00 Uhr

Kann Ernährung negative Effekte wieder aufheben?

Auch zahlreiche Umweltschadstoffe sind als epigenetisch aktiv beschrieben, darunter Metalle wie Arsen, Feinstaub aus der Luftverschmutzung, organische Verbindungen, Pestizide und Bisphenol A (BPA). Letzteres wird bei der Herstellung von Kunststoffen und Epoxidharz eingesetzt und gilt als endokriner Disruptor, das heißt als Substanz mit hormonähnlicher Wirkung. Wie andere hormonaktive Substanzen greift BPA in epigenetische Mechanismen ein (Methylierung von CpG-Inseln, Histonmodifikation, Bildung von ncRNA) und verändert damit die Genexpression (22).

Es gibt Hinweise, dass bestimmte Nährstoffe und Ernährungsmuster vor solchen negativen Effekten schützen können. So wurde im Mausmodell gezeigt, dass eine gute Versorgung mit Methyllieferanten wie Vitamin B12 und Folat die Epigenom-verändernde Wirkung von BPA dämpfen kann (22).

Die Pharmakoepigenetik ist eine noch recht junge Wissenschaft, die gemeinsam mit der Pharmakogenetik den Effekt auf und von Arzneistoffe(n) untersucht. Mit Erkenntnissen zur epigenetischen Regulation von Stoffwechsel und Transport sowie Targets und Rezeptoren der Arzneistoffe trägt sie zur Aufklärung von individuellem Ansprechen und Nebenwirkungen bei und unterstützt die Entwicklung von Biomarkern und Epidrugs zur Entwicklung stratifizierter personalisierter Therapien (23).

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