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Stiftung Warentest

Welche Schlankheitspillen sind empfehlenswert?

Die Stiftung Warentest hat in der neuesten Ausgabe ihres Magazins »Test« wieder einmal Mittel zum Abnehmen unter die Lupe genommen. Das Fazit: Einige Präparate sind mit Einschränkung geeignet.
Daniela Hüttemann
20.12.2019
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Beurteilt hat die Stiftung Schlankheitsmittel, die laut Marktanalysen besonders oft in den Apotheken über den HV gehen. Als »mit Einschränkung geeignet« stufen Warentests Experten die beiden Orlistat-haltigen rezeptpflichtigen Präparate Xenical® 120 mg und das entsprechende Ratiopharm-Generikum in der gleichen Dosierung ein. Sie seien besser in Studien untersucht worden als die niedriger dosierten rezeptfreien Varianten mit 60 mg Orlistat.

Xenical kam erstmals 1998 in Deutschland auf den Markt. Der Wirkstoff Orlistat hemmt Lipasen im Magen-Darm-Trakt. Dadurch können Triglyceride aus der Nahrung nicht mehr in ihre Bestandteile zerlegt und resorbiert werden. Auch Cholesterol wird schlechter gelöst und resorbiert. Orlistat reduziert so die Fett- und Cholesterolaufnahme. 

In klinischen Studien zeigte sich ein etwas stärkerer Gewichtsverlust als unter Diät plus Placebo – im Schnitt 3 Kilogramm. Die Stiftung Warentest sieht nur eine Indikation bei Adipositas, also deutlichem Übergewicht (BMI ab 30 kg/m2), wenn Ernährungsumstellung und mehr Bewegung allein nicht genügend Erfolg zeigen. Die niedriger dosierte rezeptfreie Variante stuft Warentest aufgrund der schlechteren Studienlage als »wenig geeignet« ein.

Dagegen sei das Präparat Saxenda® mit dem Inkretinmimetikum Liraglutid »mit Einschränkung« als Hilfe zur Gewichtsabnahme geeignet. Liraglutid ist seit zehn Jahren in Deutschland als Antidiabetikum Victoza® verfügbar. Unter dem Namen Saxenda kam Liraglutid in der Indikation Übergewicht mit einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung und Adipositas im April 2016 auf den Markt. Als Peptid muss es subkutan gespritzt werden. Auch dieses Präparat ist als Ergänzung zu Diät und Sport zu sehen. In klinischen Studien verlor ein Großteil der Patienten 5 bis 10 Prozent des Ausgangsgewichts. Im Vergleich zu Placebo waren es im Schnitt 4 bis 6 Kilogramm mehr Gewichtsverlust.

Therapieerfolg nach drei Monaten überprüfen

Sowohl Orlistat als auch Liraglutid scheinen sich langfristig auf Gewicht und Stoffwechsel auszuwirken. Der Therapieerfolg sollte nach drei Monaten überprüft werden. Bis dahin sollten die Patienten mindestens 5 Prozent ihres Ausgangsgewichts verloren haben. Die Stiftung Warentest mahnt auch noch die hohen Kosten an, die in der Regel von den Krankenkassen nicht erstattet werden. Die Monatstherapie mit Liraglutid kostet etwa 290 Euro, für höher dosiertes Orlistat sind es je nach Präparat und Packungsgröße 70 bis 120 Euro monatlich.

Von Amphetaminen wie Amfepramon und Cathin rät die Stiftung Warentest eher ab. Sie dämpfen zwar den Appetit und scheinen als Add-on zu einer Diät das Gewicht geringfügig zu verringern. Dem stehen jedoch das Abhängigkeitsrisiko und deutliche Nebenwirkungen wie Herzrasen, Hypertonie und Schlafstörungen gegenüber. Die entsprechenden zugelassenen Medikamente (Alvalin, Regenon und Tenuate) sind verschreibungs-, aber nicht BtM-pflichtig.

Als wenig geeignet aufgrund nicht ausreichender Wirksamkeitsbelege stuft Warentest die Medizinprodukte Formoline L112 (mit Chitosan), Refigura Sticks (ebenfalls mit Chitosan plus Konjakfasern), XLS Medical Fettbinder (mit Litraminen als pflanzlichen Faserkomplexen) und XLS Medical Kohlenhydratblocker (mit Glykoproteinkomplex) ein. Für die beiden Chitosan-haltigen Präparate sei die Studienlage etwas besser als für die XLS-Medical-Produkte. Warentest empfiehlt sie allenfalls als kurzfristige Motivationshilfe beim Abnehmen.

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